MEADS International erhält 216 Millionen US Dollar-Auftrag EADS/LFK mit 28 Prozent beteiligt
Orlando/München, 12 Juli 2001
Die NATO-Agentur NAMEADSMA (NATO Medium Extended Air Defense System Management Agency), Huntsville/Alabama, hat MEADS International Inc. den Auftrag für eine dreijährige Risikominimierungsphase für ein künftiges taktisches Luftverteidigungssystem im Wert von ca. 216 Millionen US-Dollar erteilt. Am Gemeinschaftsunternehmen MEADS International mit Sitz in Orlando/Florida sind EADS/LFK-Lenkflugkörpersysteme (Deutschland) - ein Tochterunternehmen der EADS European Aeronautic Defence and Space Company -, Alenia Marconi Systems (Italien) und Lockheed Martin (USA) beteiligt. Das Programm MEADS ist Beispiel für eine ausgewogene transatlantische Kooperation unter gleichberechtigten Partnern.
Ende Juni hatte der Deutsche Bundestag dem Einstieg in eine dreijährige Risikominimierungsphase und damit Fortsetzung der Definitionsphase für das Taktische Luftverteidigungssystem TLVS, das international MEADS (Medium Extended Air Defence System) bezeichnet wird, zugestimmt. Gleichzeitig hat Deutschland die trilaterale Regierungsvereinbarung zur Fortführung des Vorhabens unterzeichnet. Damit geht Deutschland zusammen mit Italien und den USA den nächsten Schritt, um die Optionen für ein System zur Abwehr von Flugzielen aller Art, vor allem von Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Flugkörpern, zu untersuchen.
"Die deutsche Entscheidung zum Einstieg in die Risikominimierungsphase von MEADS stärkt die EADS/LFK, die europäische Lenkflugkörperindustrie und die transatlantische Kooperation. Nachdem wir einen beispiellosen Durchbruch bei der Lösung der schwierigen Fragen des Technologietransfers erreicht haben, können wir nun mit unseren amerikanischen Partnern auf gleichberechtigter Basis dieses Hochtechnologiefeld bearbeiten und die Technologielücke bei Luftverteidigungssystemen schließen", erläutert Thomas Enders, Leiter der Defence and Civil Systems Division der EADS.
Ziel ist es, den PAC 3-Flugköper in das MEADS-Konzept zu integrieren, die Realisierbarkeit des Konzeptes hinsichtlich technischer und zeitlicher Aspekte zu untersuchen und mit zu entwickelnden Prototypen für zentrale Funktionen und Simulationen die Systemleistung nachzuweisen. Neu in die Arbeiten aufgenommen wurden auf deutschen Wunsch Untersuchungen von kritischen Technologiefeldern, die sich aus der aktuellen Überarbeitung des Luftverteidigungskonzeptes ergeben haben.
"Ziel der Untersuchungen ist damit auch die Konkretisierung und Begrenzung der Entwicklungs- und Beschaffungskosten, um Entscheidungen zur Verwirklichung eines künftigen taktischen Luftverteidigungssystems treffen zu können. Die Fortführung der Arbeiten zu TLVS/MEADS sichert bei der EADS/LFK nicht nur hochqualifizierte Arbeitsplätze, sondern auch unsere technologische Kompetenz auf dem Gebiet der Luftverteidigungssysteme", erläutert Werner Kaltenegger, Leiter der EADS/LFK.
Die Arbeiten werden von den USA zu 55 Prozent, von Deutschland zu 28 Prozent und von Italien zu 17 Prozent finanziert. Der deutsche Anteil für die Risikominierungsphase beläuft sich auf ca. 55 Millionen Euro. Entsprechend der prozentualen Aufteilung der Kosten sind auch die Unternehmen der jeweiligen Länder am Programm beteiligt. Auftraggeber für die Programmfirma MEADS International ist die NAMEADSMA. Die europäischen Unternehmen - Alenia Marconi Systems (Italien) und EADS/LFK (Deutschland) - steuern ihre Aktivitäten über das gemeinsame Joint Venture euroMeads GmbH, das ebenso wie Lockheed Martin mit jeweils 50 Prozent an MEADS International Inc. beteiligt ist.
EADS/LFK ist maßgeblich an der Gesamtauslegung des Systems beteiligt. Außerdem entwickelt sie eigenverantwortlich Subsysteme für das Feuerleitradar und den Gefechtsstand. Darüber hinaus untersucht EADS/LFK Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Flugkörpers und zur Entwicklung der Startanlage.
Aus einem zweijährigen Wettbewerb für die Definition des neuen Luftverteidigungssystems war im Mai 1999 MEADS International als Gewinner hervorgegangen. Kurz davor einigten sich die beteiligten Nationen, zur Kosten- und Risikoreduzierung den bereits in Entwicklung befindlichen Flugkörper PAC 3 auch für MEADS zu verwenden und nicht einen neuen Flugkörper zu entwickeln. Weiterhin stimmten die beteiligten Nationen zu, dass vor der Entscheidung über den Eintritt in die Entwicklungsphase eine dreijährige Risikominimierungsphase durchgeführt wird. Diese Änderungen machten die Erarbeitung eines neuen, angepassten Angebotes notwendig, das termingerecht im Mai 2000 übergeben und bis Mai 2001 auf den neuesten Stand gebracht wurde. Auf der Grundlage dieses Angebots wurde nun der Auftrag für die Risikominimierungsphase vergeben.
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