Ottobrunn, 14
September
2009
Der neue von Astrium gebaute Forschungssatellit CryoSat-2 ist bereit, sich seiner eisigen Mission zu stellen. Der Eisforschungssatellit der ESA wird der Fragestellung nachgehen, ob und in welchem Umfang sich die Eismassen an den Erdpolen verändern.
François Auque, CEO von Astrium, Europas größtem Raumfahrtunternehmen, befürwortet die Mission: “Erstmals wird ein von Astrium gebauter europäischer Satellit präzise Daten über Dicke und Ausdehnung der Eismassen liefern. Mit Hilfe dieses Satelliten erhalten die Wissenschaftler einen globalen Überblick und können sich ein genaues Bild davon machen, wie und wo das Eis schmilzt. Er stellt einen wichtigen Schritt bei der Abschätzung des Klimawandels dar und ist ein Beweis dafür, wie industrielle Technologien für alle Menschen von Nutzen sind.”
Astrium ist Hauptauftragnehmer für CryoSat und somit für ein aus 31 Unternehmen aus 17 Ländern bestehendes Konsortium verantwortlich, zu dem auch Thales Alenia Space gehört, die das Siral-Instrument bauten. Astrium in Friedrichshafen baute die Satelliten-Plattform und integrierte alle Instrumente. Astrium ist auch für die Zuverlässigkeit des gesamten Satelliten gegenüber dem Auftraggeber, der Europäischen Weltraumorganisation ESA, verantwortlich. Das industrielle Auftragsvolumen liegt bei rund 75 Millionen Euro.
Auf seinem Weg ins All hat CryoSat-2, der im September vergangenen Jahres fertig gestellt wurde, nun einen weiteren Meilenstein erreicht. Im Rahmen einer mehrmonatigen Testkampagne bei der IABG in Ottobrunn bei München hat Astrium unter Beweis gestellt, dass der Satellit weltraumtauglich ist. CryoSat-2 wird im Dezember dieses Jahres zum russischen Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) transportiert, um dann im Frühjahr 2010 zu seiner eisigen Mission ins Weltall zu starten.
Die CryoSat-Mission soll vor allem die polaren Eismassen und die Meereisbedeckung vermessen, die zusammen die Strahlungsbilanz der Erde stark beeinflussen. Aufgrund eines schnellen Abschmelzens der Eiskappen Grönlands und der Antarktis könnte das Schmelzwasser die großen Meeresströmungen beeinflussen - mit unvorhersehbaren Folgen für das Weltklima.
Mindestens dreieinhalb Jahre lang soll CryoSat das Eis an den Erdpolen mit bisher unerreichter Genauigkeit vermessen. Mit Hilfe zweier Radarantennen wird der Satellit in der Lage sein, die Dicke von Meereis und die Veränderung an den Randgebieten der Landeismassen genau zu erfassen. Außerdem werden die Daten des Radarsatelliten helfen, den Zusammenhang zwischen dem Abschmelzen des Polareises und dem Anstieg des Meeresspiegels genauer zu bestimmen.
CryoSat ist eine so genannte Earth-Explorer-Mission der ESA im Rahmen ihres Erd-erkundungsprogramms Living Planet und die erste Radarmission, die speziell die polaren Eismassen untersucht. Astrium ist auch an den anderen Satelliten der Earth- Explorer-Missionen entscheidend beteiligt. So hat Astrium die Führung beim zurzeit im Bau befindlichen Erdbeobachtungssatelliten EarthCARE und der aus drei Satelliten bestehenden Mission Swarm zur Untersuchung des Erdmagnetfelds. Außerdem lieferte Astrium die Plattform für Goce, der seit März dieses Jahres erfolgreich im Schwerefeld der Erde „surft“. Astrium ist ebenfalls Hauptauftragnehmer für die Windmission ADM-Aeolus und entwickelt dafür auch das Instrument Aladin. Ferner entwickelt und baut Astrium die Nutzlast Miras der SMOS-Mission zur Erfassung von Bodenfeuchtigkeiten und Salzgehalten der Meere. CryoSat-2 wird dann ab Frühjahr 2010 zusammen mit GOCE (2009) und der im November dieses Jahres startenden SMOS-Mission der dritte Earth-Explorer im All sein.
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2008 erreichte Astrium einen Umsatz von 4,3 Milliarden € und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei rund 43,3 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 118.000.