ISS-Modul ermöglicht Forschung unter Schwerelosigkeit
Cap Canaveral, 03
Dezember
2007
Das Weltraumlabor Columbus ist Europas zentraler Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS. Das Labor soll mit einem Space Shuttle im Dezember 2007 vom Kennedy Space Center in Florida gestartet werden.
Beim so genannten Flight Readiness Review (Flugfreigabe) am 30. November hat die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA offiziell den Start der Raumfähre Atlantis mit Columbus für Donnerstag, 6. Dezember 2007, 22:31 Uhr MEZ bestätigt. Der Start erfolgt vom Launchpad 39A aus. Die Ankunft der Raumfähre Atlantis an der ISS ist für Samstag, 8. Dezember geplant.
An Bord von Columbus haben künftig Wissenschaftler die Möglichkeit, Experimente durchzuführen, die unter den Bedingungen der Schwerkraft auf der Erde so nicht möglich sind. Astrium hat das Columbus-Labor im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur ESA als industrieller Hauptauftragnehmer realisiert. Zehn Jahre haben die Raumfahrtingenieure der Astrium in Bremen an dem fast 13 Tonnen schweren Raumstationsmodul gearbeitet. Insgesamt sind am Columbus-Projekt zehn europäische Länder beteiligt. Die größten Partner dabei waren Deutschland (51 Prozent), Italien (23 Prozent) und Frankreich (18 Prozent). Ferner sind die USA und Kanada beteiligt.
Die Konzeption des Columbus-Moduls basiert auf den Erfahrungen, die Astrium seit Ende der 70er Jahre mit der Entwicklung und dem Bau des Raumlabors Spacelab gesammelt hat. Spacelab ist bis 1998 insgesamt 22 Mal an Bord eines Space Shuttles ins All geflogen.
Das Columbus-Labor ist 8 m lang, hat einen Durchmesser von 4,50 m und wiegt beim Start fast 13 Tonnen - inklusive der 2,5 Tonnen schweren Nutzlast. In dem Labor befinden sich zehn so genannte Racks, das sind international standardisierte Nutzlastschränke, in denen Experimentieranlagen untergebracht werden können.
Columbus hat 880 Millionen Euro gekostet und ist für eine Einsatzzeit von mindestens zehn Jahren ausgelegt. Das Modul bietet drei Crewmitgliedern ausreichend Raum, um Forschung in der Schwerelosigkeit zu betreiben. In dem Labor haben Wissenschaftler die Möglichkeit, Untersuchungen, in allen Disziplinen der Grundlagenforschung (Biotechnologie, Medizin, Materialwissenschaften, Flüssigkeitswissenschaften, Humanwissenschaften) sowie Experimente auf dem Gebiet angewandter Technologieprojekte durchzuführen. Diese sind unter den Bedingungen der Schwerkraft auf der Erde so nicht möglich sind.
Der Grund: Werkstoffe oder Flüssigkeiten verhalten sich im Zustand der Schwerelosigkeit anders als auf der Erde. So verschmelzen beispielsweise metallische Legierungen im All miteinander, während sie unter dem Einfluss der Schwerkraft keine optimale Verbindung miteinander eingehen. Ähnliches gilt für flüssige Substanzen, die im Weltraum Gemische bilden, auf der Erde aber nicht.
Astrium ist im Rahmen des Aufbaus und Betriebs der Internationalen Raumstation an weiteren Projekten beteiligt. So ist das Unternehmen Hauptauftragnehmer für den unbemannten Raumtransporter ATV (Automated Transfer Vehicle), das die ISS mit Vorräten und Treibstoff versorgen wird. Außerdem wird das ATV die Station nach dem Andocken mit so genannten Reboost-Manövern immer wieder ein Stück anheben und so den allmählichen Geschwindigkeitsverlust und das damit verbundene Absinken der Station ausgleichen.
Außerdem liefert Astrium weitere Experimentieranlagen für die ISS, die nicht im Columbus-Labor, sondern in anderen Stationsmodulen zum Einsatz kommen werden. Das Unternehmen ist auch am European Robotic Arm (ERA) beteiligt, der die Astronauten bei der Montage der Station und bei Wartungsarbeiten unterstützt.
Astrium und Thales Alenia Space haben darüber hinaus das Gemeinschaftsunternehmen EURISS für Betrieb und Nutzung des europäischen Teils der ISS gegründet. EURISS ist der "Vermittler" zwischen der ESA und den an Raumstationsbetrieb und -nutzung beteiligten Unternehmen und ist der einzige Vertragspartner der ESA für alle industriellen Betriebs- und Nutzungsaktivitäten für den europäischen Teil der Internationalen Raumstation.
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme sowie weltraumgestützte Dienstleistungen. Im Jahr 2006 erzielte Astrium einen Umsatz von 3,2 Milliarden € und beschäftigte rund 12.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2006 lag der Umsatz bei rund 39,4 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 116.000.