Russland – westlich von Wolgograd Das erste TerraSAR-X-Bild, welches das Verarbeitungssystem des DLR lieferte, zeigt eine Region in der südrussischen Steppe etwa 500 Kilometer nordöstlich des schwarzen Meeres und circa 50 Kilometer westlich von Wolgograd.
In der oberen Hälfte des Bildes ist der Tsimlyanskoye-Stausee zu erkennen. Hier wird der Fluss Don aufgestaut und das Wasser zur Stromgewinnung genutzt. In der oberen rechten Ecke der Aufnahme ist ein Kanal mit einem Wehr sichtbar. In unmittelbarer Umgebung sind die mäandrierenden Altwasser des Flusses als dunkle Flächen zu erkennen. Ruhige Wasseroberflächen sind in Radaraufnahmen typischerweise sehr dunkel, da die auftreffende Radarstrahlung vom Satelliten wegreflektiert wird.
Links in der Mitte der Aufnahme ist eine Eisenbahnbrücke über den aufgestauten Fluss Don zu identifizieren. Von dort zieht sich eine Bahnlinie nach Nordosten durch das Bild.
In der unteren Bildhälfte dominieren große, landwirtschaftliche Flächen. Die Felder bilden regelmäßige Muster, welche von nicht begradigten Zuflüssen durchbrochen werden. Die unterschiedliche Helligkeit resultiert aus den verschiedenen Nutzpflanzen und deren Reifegrad.
Mit optischen Satelliten wäre eine Aufnahme des Gebietes zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen, denn während der Aufnahme herrschte dichte Bewölkung. Radarsatelliten wie TerraSAR-X bieten aber den entscheidenden Vorteil, dass diese auch in der Nacht und durch Wolken hindurch Aufnahmen liefern. Am oberen linken Bildrand allerdings war die Bewölkung so dicht, dass diese sogar im Radarbild als heller Schleier zu erkennen ist.
Um Satellitendaten in Forschungsprojekten als Informationsquelle sinnvoll einsetzen zu können, ist es erforderlich, diese in eine gängige Kartenprojektion zu transformieren und nach Norden auszurichten. Durch diese Transformation ergeben sich der schwarze Rand und die schräge Bildausrichtung.
Bildquelle: DLR, Astrium Aufnahmedatum : 19. Juni 2007, 15 :03 :24 UTC Auflösung: ca. 15 Meter Modus: Stripmap Mode; Polarisation: HH Einfallswinkel: 51,7 Grad; Orbit 69; aufsteigend
Die Insel Vanna in der Bildmitte liegt nördlich des Polarkreises in Nordnorwegen, etwa 250 Kilometer südwestlich des Nordkaps. Die Struktur der sehr bergigen Insel wird durch das schräg blickende Radar besonders deutlich – aber geometrisch verzerrt – abgebildet. In einer späteren Korrektur werden aber auch diese Effekte beseitigt. Ebenso klar zu erkennen sind die Strukturen im Wasser, die durch unterschiedliche Wellenhöhen, z.B. im Windschatten der Inseln, hervorgerufen werden. Vereinzelt sind bei genauer Betrachtung sogar Boote zu erkennen. Entlang der Küste erscheinen einzelne Häuser als helle Punkte.
Bildquelle: DLR, Astrium Auflösung: ca. 15 Meter Aufnahmedatum : 20. Juni 2007, 05 :32:50 UTC Modus: Stripmap Mode; Polarisation: HH Einfallswinkel: 32 Grad; Orbit 78; aufsteigend
Das hatten nur die größten Optimisten unter den Ingenieuren zu hoffen gewagt: Nur vier Tage nach dem Start des deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X vom Weltraumbahnhof Baikonur konnten erste brillante Satellitenaufnahmen empfangen werden.
Unter lautem Beifall der TerraSAR-X-Teams vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Astrium und Infoterra, erschienen am Dienstagabend – nur 30 Minuten nach dem Empfang der Daten durch die Bodenstation Neustrelitz – die ersten Bilder auf den Monitoren im DLR-Raumfahrtzentrum Oberpfaffenhofen. Obwohl der Satellit erst in zehn Tagen seine endgültige Umlaufbahn erreichen soll, weisen diese nur zu Testzwecken aufgezeichneten Daten bereits eine überraschend hohe Qualität und Detailschärfe auf.
„Ich bin begeistert! Diese nationale Mission dokumentiert einmal mehr die führende internationale Stellung Deutschlands in der Radarfernerkundung. Unsere Daten werden eine wichtige Quelle für die geowissenschaftliche Forschung einerseits und für kommerzielle Anwendungen andererseits sein. TerraSAR-X wird aber auch eine maßgebliche Rolle im europäischen Erdbeobachtungsprogramm GMES spielen“, so Professor Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR.
„Diese Daten belegen nicht nur das umfassende technische Know-How und die langjährige Erfahrung der Astrium GmbH in Entwicklung und Bau von Radarsatelliten und -instrumenten, sondern bestätigen auch unsere erfolgreiche Partnerschaft mit dem DLR,“ unterstreicht Uwe Minne, Direktor für Erdbeobachtung und Wissenschaft der Astrium GmbH.
„Die Leistungsfähigkeit des Satellitensystems ist mit diesen ersten Aufnahmen eindrucksvoll unter Beweis gestellt – die Voraussetzungen für unser kommerzielles Geschäft könnten nicht besser sein“, freut sich Jörg Herrmann, Geschäftsführer der Infoterra GmbH, die nun die kommerzielle Vermarktung der TerraSAR-X-Daten vorantreiben wird.
Das TerraSAR-X-Team des DLR wird in den nächsten Monaten mit Hochdruck daran arbeiten, das Radarinstrument endgültig zu kalibrieren und die Datenverarbeitungskette zu optimieren.
Der Erdbeobachtungssatellit TerraSAR-X ist eine in Public-Private-Partnership realisierte Gemeinschaftsmission zwischen dem DLR und der Astrium GmbH. Die Durchführung der Mission verantwortet im DLR ein Team aus vier Instituten zusammen mit der Raumfahrt-Agentur. Damit deckt das DLR die gesamte Bandbreite erforderlicher Technologien von der Konzeption über die Missionskontrolle bis zur Verarbeitung und der wissenschaftlichen Nutzung der Daten ab. Die Astrium GmbH hat den Satelliten entwickelt, gebaut und gestartet; der Geoinformationsdienstleister Infoterra GmbH (Friedrichshafen) übernimmt exklusiv die kommerzielle Vermarktung.
Über Astrium
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme sowie weltraumgestützte Dienstleistungen. Im Jahr 2006 erzielte Astrium einen Umsatz von 3,2 Milliarden € und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: die beiden Business Units Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2006 lag der Umsatz bei rund 39,4 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 116.000.
Über Infoterra
Die Infoterra GmbH wurde im Jahr 2001 eigens zum Zweck der kommerziellen Vermarktung der TerraSAR-X Daten gegründet. Die Firma ist verantwortlich für die kommerzielle Vermarktung sowohl der TerraSAR-X Daten als auch daraus entwickelter Geoinformationsprodukte und –dienstleistungen.
Darüber hinaus hat die Infoterra GmbH im Rahmen der europäischen GMES (Global Monitoring for Environment and Security) Initiative der Europäischen Weltraumagentur ESA und der Europäischen Kommission eine führende Position inne, und leitet internationale Projektkonsortien.
Die Infoterra GmbH hat 30 Mitarbeiter in Friedrichshafen und ist Teil der europäischen Infoterra-Gruppe mit insgesamt 300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 50 Mio Euro, zu der auch Firmen in Großbritannien und Frankreich gehören.
Über das DLR
Das DLR ist das nationale Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Seine umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Luftfahrt, Raumfahrt, Verkehr und Energie sind in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Über die eigene Forschung hinaus ist das DLR als Raumfahrt-Agentur im Auftrag der Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten sowie für die internationale Interessenswahrnehmung zuständig. Das DLR fungiert als Dachorganisation für den national größten Projektträger. In 27 Instituten und Einrichtungen an den acht Standorten Köln-Porz, Berlin-Adlershof, Bonn-Oberkassel, Braunschweig, Göttingen, Lampoldshausen, Oberpfaffenhofen und Stuttgart beschäftigt das DLR ca. 5.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das DLR unterhält Außenbüros in Brüssel, Paris und Washington, D.C.
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DLR
Tel.: + 49 (0) 228 447 394
Mathias Pikelj
Astrium
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Mareike Doepke
Infoterra
Tel.: +49 (0) 7545 8 3924
TerraSAR-X auf einen Blick
Größe:
4,88 m
Durchmesser:
2,4 m
Gewicht bei Start:
1230 kg
davon Nutzlast:
ca. 400 kg
Radarfrequenz:
9,65 GHz
Energieverbrauch:
800 Watt (gemittelt)
Auflösung:
1 m, 3 m, 16 m (abh. von Bildgröße)
Trägerrakete:
Dnepr 1 (ehemals SS-18)
Startplatz:
Baikonur, Kasachstan
Höhe der Umlaufbahn:
514 km
Neigungswinkel gegen Äquator:
97,4° (sonnensynchron)
Lebensdauer:
mindestens 5 Jahre
TerraSAR-X ist der erste deutsche Satellit, der im Rahmen einer so genannten Public Private Partnership (PPP) zwischen dem DLR und EADS Astrium realisiert wurde: Europas führender Satellitenspezialist EADS Astrium beteiligte sich an den Kosten für Entwicklung, Bau und Einsatz des Satelliten. Die Nutzung von TerraSAR-X-Daten für wissenschaftliche Zwecke liegt in der Zuständigkeit des DLR, während die Infoterra GmbH, eine Tochtergesellschaft der EADS Astrium, für die kommerzielle Vermarktung verantwortlich ist. Der Satellit umrundet die Erde in einer Höhe von 514 Kilometern auf einer polaren Umlaufbahn und wird mit seiner aktiven Antenne neuartige und hochwertige X-Band-Radardaten von der gesamten Erde aufnehmen. TerraSAR-X arbeitet unabhängig von Wetterbedingungen, Wolkenbedeckung und Tageslicht und ist in der Lage, Radardaten mit einer Auflösung von bis zu einem Meter zu liefern.
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