Die EADS ist Medienberichten der letzten Tage entgegengetreten, in denen unter Berufung auf eine Studie des Bundesechnungshofes über das trinationale Entwicklungsvorhaben für das bodengestützte Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) berichtet worden war, MEADS sei kein gutes Beispiel für eine gleichberechtigte, transatlantische Zusammenarbeit.
„Diese Darstellungen sind irreführend und falsch. Der Technologietransfer war noch nie bei einem transatlantischen Projekt weitergehender als bei MEADS. Wir sind bei allen neu zu entwickelnden Anteilen des Systems gleichberechtigte Partner“, stellte Tom Enders, Mitglied des Vorstands der EADS und Leiter der Defence and Security Systems Division, am 21. März in München klar.
Im Rahmen des trilateralen Memorandums of Understanding (MoU) wurde das schwierige Thema „Technologietransfer“ durch das Bundesverteidigungsministerium erfolgreich gestaltet und zur Zufriedenheit der Partner geregelt. Alle Nationen haben über den gegenseitigen Informationsaustausch Einblick in die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems und der einzelnen Hauptelemente.
„Für die europäische Industrie ist MEADS die Chance, den technologischen Anschluss an die USA zu halten und an der zukünftigen Generation von Luftverteidigungssystemen maßgeblich beteiligt zu sein“, sagte Enders.
MEADS schützt eigene und verbündete Truppen in internationalen Einsätzen, die Zivilbevölkerung in Krisengebieten und wichtige Objekte im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung. Das hochleistungsfähige, bodengebundene und luftverladbare Luftverteidigungssystem MEADS kann jede Art von Bedrohungen aus der Luft abwehren, insbesondere auch taktische ballistische Flugkörper mit einer Reichweite bis 1.000 km.
Für MEADS wurde eine Arbeitsteilung nach dem Prinzip des ´single sourcing´ zwischen den Nationen verbindlich vereinbart. Danach werden alle Arbeitspakete entweder von einem Land oder gemeinsam bearbeitet. Doppel- oder Parallelaktivitäten sind deshalb ausgeschlossen. Das erhöht die Effizienz und senkt die Kosten.
Diesem Prinzip entspricht es auch, dass der Flugkörper als wesentliche Systemkomponente nicht Teil des trinationalen Entwicklungsvorhabens ist. Aus Kostengründen soll der bereits erprobte Flugkörper PAC – 3 verwendet werden. Obwohl der PAC – 3-Flugkörper eine reine US-Entwicklung ist, konnte im Rahmen der erfolgreichen Verhandlungen erreicht werden, dass die für MEADS erforderlichen technischen Änderungen am Flugkörper deutscher Arbeitsanteil werden. Somit ist sichergestellt, dass ausreichend System- und Detailinformationen zwischen den Partnern ausgetauscht werden.
Weitere Arbeitspakete, die der deutschen Industrie zugeordnet sind, umfassen Arbeiten zu allen Aspekten des Gesamtsystems (System engineering) sowie wesentliche Arbeiten zu den Hauptelementen des MEADS Systems, dem Feuerleitradar, der Kommando– und Operationszentrale und dem Werfer. Für das Werfersystem trägt die deutsche Industrie darüber hinaus die Gesamtverantwortung.
Werner Kaltenegger, Leiter des bei EADS für MEADS federführenden Geschäftsbereiches LFK, sagte: „Die gleichberechtige Partnerschaft wird auch in der Besetzung von Schlüsselstellen im MEADS-Programm sichtbar: So stellt Deutschland z.B. die Führung beim `System engineering` bei MEADS International. Diese Person verfügt über uneingeschränkten Einblick und Weisungsbefugnis bezogen auf das Gesamtsystem bis hinunter zu technischen Details in den Hauptbaugruppen.“
Mit MEADS wird in Deutschland zudem Hochtechnologie vor allem in den Bereichen Systemtechnik, Radartechnologie (z.B. T/R-Module) und Kampfführungssoftware gefördert und weiterentwickelt. „Das sind technologische Kompetenzen, mit denen wir uns absolut auf Augenhöhe mit den USA befinden“, erklärte Enders.
MEADS ist damit ein hervorragendes Beispiel für gleichberechtigte, transatlantische Kooperation: Dies belegt auch die sehr erfolgreich verlaufene Vorentwicklungsphase, die im Mai 2004 endete. Sie hat bewiesen, dass die gleichberechtigte industrielle Zusammenarbeit zwischen USA (Lockheed Martin), Italien (MBDA-I) und Deutschland (EADS/LFK) bei MEADS funktioniert und eingespielt ist.
Die USA finanzieren 58 % des Projekts, Deutschland 25 % und Italien 17 %. Entsprechend der prozentualen Aufteilung der Kosten sind auch die Unternehmen der jeweiligen Länder EADS/LFK (Deutschland), MBDA-I (Italien) und Lockheed Martin (USA) am Programm beteiligt. Die europäischen Unternehmen steuern ihre Aktivitäten über das gemeinsame Joint Venture euroMEADS GmbH, das ebenso wie Lockheed Martin mit jeweils 50 % an MEADS International Inc. beteiligt ist.
Die EADS Defence and Security Systems Division bündelt mit etwa 24.000 Mitarbeitern in zehn Ländern die wesentlichen Verteidigungsaktivitäten der EADS. Die Division bietet integrierte Systemlösungen für die neuen Herausforderungen der Streitkräfte und Sicherheitskräfte an. Sie ist in den Bereichen Militärflugzeuge, Lenkflugkörper, Aufklärung und Überwachung (ISR) mit bemannten und unbemannten Flugzeugen (UAVs), Gefechtsführungssysteme, Verteidigungselektronik, Sensorik und Avionik sowie den dazugehörigen Dienstleistungen tätig.
Die EADS ist ein weltweit führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2004 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von € 31,8 Milliarden.