München, 22
September
2003
Die Raumfahrt kehrt zurück zum Mond. Wenn Ende September die Sonde Smart-1 von der europäischen Weltraumorganisation ESA auf ihre Reise zum Erdtrabanten geschickt wird, dann ist mit Kate auch eine Experimentier-Anlage von EADS Astrium aus Ottobrunn bei München an Bord. Mit Kate (Ka-Band Transponder Experiment) wollen die Forscher neue Kommunikationsfrequenzen für wissenschaftliche Missionen erproben. So ganz nebenbei lässt sich damit aber auch ins Innere des Mondes schauen.
Eine gute und schnelle Kommunikationsverbindung ist bei Reisen in die Tiefen des Weltalls, sogenannten "Deep Space"-Missionen, eine der entscheidenden Faktoren, die über die wissenschaftliche Ausbeute entscheiden. Höhere Übertragungsraten bedeuten mehr Daten. Mehr Daten bedeuten mehr Wissenschaft.
Ein Problem dabei ist die lange Laufzeit der Daten auf dem Weg zur Bodenstation auf der Erde. So braucht beispielsweise das Signal eines geostationären Kommunikations-Satelliten in 36.000 km Höhe etwa eine viertel Sekunde; die Daten vom Mond aus rund 400 000 km Entfernung schon 2,5 Sekunden. Signale künftiger ESA-Missionen, wie die der Merkur-Sonde BepiColombo werden etwa 12 bis 20 Minuten (!) unterwegs sein, bis sie bei uns empfangen werden können. Auch die verwendete Funkfrequenz spielt eine entscheidende Rolle. Die bei Smart-1 von den EADS-Astrium-Ingenieuren verwendeten X- und Ka-Band gelten dabei als weniger störanfällig.
Smart-1 wird mit dem Instrument Kate die Kommunikation mittels sehr kurzer Funkwellen (im Ka- Band) erproben. Bei der Entwicklung des kombinierten X/Ka-band-Transponders von Kate wurden von den EADS-Astrium-Ingenieuren neue Technologien auf dem Gebiet der integrierten Chips, der digitalen Signalaufbereitung und bei den Gehäuse-Materialien eingesetzt. Dadurch soll die Kommunikation zu Raumfahrzeugen in großer Entfernung von der Erde nicht nur sicherer, sondern auch effizienter werden.
Aber Kate wird auch dazu beitragen, mehr über die Nachbarplaneten und ihre Monde zu erfahren. Denn das Kate-Experiment bietet außerdem die Möglichkeit, in seinem Frequenzbereich genauere radiowissenschaftliche Experimente durchzuführen. Aus der Kenntnis des Orbits rund um den Mond und den von Kate empfangenen Signalcharakteristiken, kann auf die Eigenschaften des Mondkerns geschlossen werden.
Bei der Smart-1-Mission sind davon kaum neue Erkenntnisse zur erwarten, da die Wissenschaftler den Mond schon relativ gut kennen. Gerade das aber bietet die Chance, diese neuartige Messmethode mittels Kate zu verifizieren. Profitieren werden davon künftige Missionen in unserem Universum. Dabei können dann Messungen mit der Kate-Technologie angewendet werden, um aus den Signaleigenschaften des Ka-Band-Transponders auf die inneren Eigenschaften von Planeten schließen zu können.
EADS-Astrium ist eine Tochtergesellschaft der European Aeronautic Defence and Space Company, EADS. Mit einem Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro und rund 7.200 Mitarbeitern in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Die Satellitenaktivitäten von EADS-Astrium umfassen zivile und militärische Telekommunikations- und Erdbeobachtungssysteme, Navigations- und Wissenschafts-programme sowie Satellitenausrüstungen und -subsysteme.
Ottobrunn, 22. September 2003/03022
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