Eine erfolgreiche europäisch-russische Zusammenarbeit in der Raumfahrt tritt in ein neues Stadium ein: Mit der Unterzeichnung des Entwicklungsvertrages für das Technologieprogramm Tehora 3 setzen der Raumfahrtkonzern EADS und das russische KBKhA (Chemical Automatics Design Bureau) ihre erfolgreiche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wiederverwendbaren Raumfahrtantriebe fort. Wie beide Unternehmen am Dienstag auf der Luft- und Raumfahrtmesse MAKS in Moskau mitteilten, hat der Vertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren ein Volumen von 1,5 Millionen Euro. Ziel ist die Entwicklung von Schlüsseltechnologien für einen wiederverwendbaren Trägerantrieb.
Im Rahmen des Tehora-Programms wurden zunächst Einspritzsysteme sowie Brennkammer- und Düsenkonzepte für wieder verwendbare Antriebe entwickelt. Bei Tehora 3 geht es nun darum, in Europa eine Technologie für ein Hauptstromtriebwerk zu entwickeln und zu erproben. Darüber hinaus stehen die Einsatzmöglichkeiten der Treibstoffkombination Flüssig-Sauerstoff mit Kohlenwasserstoffen wie zum Beispiel Kerosin im Mittelpunkt der Untersuchungen. Diese Treibstoffe zeichnen sich durch eine hohe Energiedichte aus. Bereits seit Anfang der neunziger Jahre arbeiten EADS und KBKhA gemeinsam an Tehora.
EADS und KBKhA setzen große Hoffnungen in die Weiterführung des Tehora-Programms. Wie beide Unternehmen erläuterten, hätten die erzielten Ergebnisse gezeigt, dass sie in der Lage seien, Antriebssysteme für wieder verwendbare Träger zu entwickeln. Erklärtes Ziel sei es, eine marktgerechte Lösung anzubieten. Dann würden EADS und KBKhA auch eine bedeutende Rolle bei der Auswahl eines Antriebssystems für einen europäischen Raumtransporter spielen." Raumfahrtunternehmen auf der ganzen Welt arbeiten an wiederverwendbaren Transportsystemen. Mit wiederverwenbaren Systemen könnten die Kosten pro Kilogramm Nutzlast deutlich verringert werden.
"Seit nunmehr zehn Jahren arbeiten wir gemeinsam mit unseren russischen Partnern an zukunftsfähigen Triebwerkstechnologien", so Dr. Axel Deich, Direktor Antriebe und Ausrüstung bei EADS SPACE Transportation. "Gerade wiederverwendbare Raumtransportsysteme sind die Voraussetzung für die langfristige und kostengünstige Nutzung des Weltraums. Raumfahrtunternehmen auf der ganzen Welt arbeiten deshalb an entsprechenden Konzepten. Wenn wir es schaffen, deutsches und russisches Know-how zu bündeln, werden wir in diesem wichtigen Marktsegment eine bedeutende Rolle spielen können. Das gilt ganz besonders hinsichtlich des europäischen FLPP-Programmes."
Während der ESA-Ministerratskonferenz im Mai diesen Jahres war beschlossen worden, ein Vorbereitungsprogramm für zukünftige Raumtransportsystem zu starten. Im Rahmen dieses Future Launcher Preparatory Programmes (FLPP) sollen Konzepte und Technologien für das zukünftige europäische Transportsystem entwickelt werden. Für die erste Phase haben die potentiellen Zeichner-Staaten der ESA ein Budget von 24 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die von der EADS in Zusammenarbeit mit den russischen Partnern verfolgte Technologie könnte erstmals im Jahr 2020 in einem Transportsystem eingesetzt werden.
Die EADS ist das zweitgrößte Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen der Welt mit einem Umsatz von EUR 29,9 Milliarden im Jahr 2002 und über 100.000 Mitarbeitern. Sie gehört in fast allen ihren Sparten zu den Marktführern. Als Systemintegrator ist die EADS weltweit eines der wenigen Unternehmen mit der Fähigkeit, unterschiedliche Produkte und Technologien zu Gesamtsystemen zusammenzuführen und auch die dazugehörigen Dienstleistungen anzubieten. Zur EADS gehören der Flugzeughersteller Airbus, das weltweit größte Hubschrauber-Unternehmen Eurocopter, und das Joint-Venture MBDA, der zweitgrößte Lenkflugkörperproduzent der Welt. Die EADS ist der größte Partner im Eurofighter-Konsortium, Hauptauftragnehmer für die Trägerrakete Ariane, entwickelt das militärische Transportflugzeug A400M und ist größter industrieller Partner für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Das Unternehmen verfügt über mehr als 70 Standorte in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Es ist weltweit tätig, unter anderem auch in Amerika, Russland und Asien.
Gregor von Kursell
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