Stand: 15  Dezember  2006 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

EADS trauert um Luft- und Raumfahrt-Pionier Ludwig Bölkow

Amsterdam, 27 Juli 2003

Ludwig Bölkow 2002

Ludwig Bölkow 2002

© EADS

Mit großer Trauer haben Unternehmensleitung und Belegschaft der EADS auf die Nachricht vom Tode des großen Luft- und Raumfahrtpioniers Ludwig Bölkow reagiert „Ludwig Bölkow hat die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie nach dem Krieg geprägt wie kein anderer und den Grundstein für die europäische Integration der Branche gelegt“, würdigten die EADS CEOs Rainer Hertrich und Philippe Camus das Lebenswerk Bölkows.

Ludwig Bölkow war am späten Freitag abend im Alter von 91 Jahren in München gestorben. Er war bis 1977 Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB). Das in Ottobrunn bei München ansässige Unternehmen galt über Jahrzehnte als einzigartige deutsche Technologieschmiede, die der deutschen Luft- und Raumfahrtbranche weltweit großes Ansehen verschaffte mit bahnbrechenden Entwicklungen bei Hubschraubern, Flugzeugen und Raketen, aber auch in der Solartechnologie sowie mit grundlegenden Arbeiten zum Transrapid. MBB ist eine der Wurzeln der im Jahr 2000 gegründeten EADS.

„Ludwig Bölkow glaubte an ein Europa der Technik. Er wusste, dass die Wettbewerbsfähigkeit dieses Kontinents ohne führende Teilhabe an der Luft- und Raumfahrt nicht denkbar ist, die europäischen Nationen dazu aber nur gemeinsam in der Lage sind,“ sagten Hertrich und Camus.

Bölkow war einer der Pioniere der internationalen Zusammenarbeit in der Luft- und Raumfahrt und der Verteidigungstechnik. Bereits 1957 legte er den Grundstein für die später so vielfältige und erfolgreiche Zusammenarbeit seines Unternehmens mit der französischen Nord Aviation, der späteren Aerospatiale. Weitere Kooperationen mit britischen, italienischen, amerikanischen, spanischen, niederländischen und japanischen Firmen folgten. Euromissile, Panavia, Eurofighter, Eurocopter und Arianespace heißen die Programmfamilien, die aus der von Bölkow konzipierten und begonnenen Zusammenarbeit entstanden sind.

„Ludwig Bölkow ist aber vor allem einer der Väter von Airbus“, betonten Hertrich und Camus. Bereits 1966 gründete Bölkow das deutsche „Studienbüro Airbus“, nachdem wenige Wochen zuvor auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget erstmals konkret über die Möglichkeit eines deutsch-französischen oder gar europäischen Großraumflugzeuges gesprochen wurde. Die ersten Mitarbeiter bezogen vorläufige Büros im Deutschen Museum in München, zwei Jahre später wurde die Deutsche Airbus GmbH gegründet. „Die einmalige Erfolgsgeschichte von Airbus wäre ohne Bölkow nicht möglich gewesen,“ so Camus und Hertrich.

Schon zu Beginn der 70er Jahre forderte er öffentlich, die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie auch industriell zusammenzuführen. „Ludwig Bölkow verband in einzigartiger Weise die Gaben des Visionärs, des Ingenieurs und des Unternehmers in einer Person“, so Hertrich und Camus. „Die Mitarbeiter der EADS sind stolz darauf, ihn zu den Vätern unseres Unternehmens zählen zu dürfen.“

Ludwig Bölkow ist der letzte in der Reihe der großen Pioniere, der seinen Produkten auch seinen Namen gegeben hat. Die Buchstaben „Bo“ im Namen des erfolgreichen Hubschraubers BO-105 zum Beispiel stehen für „Bölkow“, so wie „Me“ für Messerschmitt und „Ju“ für Junkers. Das Namenskürzel des Hubschraubers BK-117 steht für Bölkow/Kawasaki – der Pionier war schon ein „global player“, bevor dieser Begriff in Mode kam. Zu Bölkows herausragenden Entwicklungen gehören unter anderem die gelenklose Rotoraufhängung für Hubschrauber, Steuerungs- und Lagerregelungstechnologie für Satelliten sowie Kleintriebwerke für die Raumfahrt.

Als Unternehmer führte Bölkow in den 60er Jahren damals noch revolutionäre Sozialleistungen wie Firmenrente oder Gleitzeit ein und legte großen Wert auf Weiterbildung der Mitarbeiter. Seine Fähigkeit, Menschen zu führen, zu begeistern und ihnen zu helfen, ihre Ideen zu realisieren, machten ihn zu einem verehrten Mentor mehrer Generationen von Ingenieuren. „Sein Vorbild ist uns heute eine Verpflichtung“, sagten Camus und Hertrich. „Eine Branche wie die Luft- und Raumfahrt muss kreativen Köpfen das geeignete Umfeld bieten, ihre Fähigkeiten optimal einzusetzen.“

Ludwig Bölkow wurde am 30. Juni 1912 in Schwerin, Mecklenburg geboren. Er studierte von 1934 bis 1938 nach einem Flugzeugbaupraktikum bei Heinkel Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg.

1939 trat er in das Projektbüro der Messerschmitt AG in Augsburg ein, zunächst als Sachbearbeiter, später als Hauptgruppenleiter für Hochgeschwindigkeits-Aerodynamik, insbesondere für den Strahljäger Me 262 und dessen Nachfolger. Im Januar 1943 wurde ihm die Leitung eines Entwicklungsbüros Me 109 in Wiener Neustadt übertragen. Im Januar 1944 kam Bölkow wieder zum inzwischen nach Oberammergau verlagerten Messerschmitt-Projektbüro, dort bereitete er eine Programmleitung für die Entwicklung des Pfeilflügeljägers Me P 1101 vor.

Nach dem Krieg ging er anders als viele andere deutsche Spitzeningenieure nicht in die USA, sondern begann mit der Entwicklung moderner Hochbauverfahren und der Prozessautomation: 1948 gründete er in Stuttgart ein eigenes Ingenieurbüro. 1954 beschloss er, sich wieder der Luftfahrt und der Wehrtechnik zuzuwenden und formte 1956 seine Firma in die Bölkow-Entwicklungen KG in Stuttgart-Flughafen um.

Die ersten Produkte waren das Sportflugzeug Klemm Kl 107 und der Panzerabwehrflugkörper Cobra. In den folgenden Jahren wurden Werksanlagen In Nabern, Schrobenhausen, Laupheim und Donauwörth dazuerworben.

Ende 1958 verlegte Bölkow den Entwicklungsbetrieb von Stuttgart nach Ottobrunn bei München. Daneben entstand zunächst als Arbeitsgemeinschaft 1959 eine Zusammenarbeit mit den Firmen Messerschmitt und Heinkel unter dem Namen Entwicklungsring Süd (EWR).

Es folgten 1965 die Gründung der Bölkow GmbH, 1968 die Fusion mit der Messerschmitt AG und 1969 die Fusion mit der Hamburger Flugzeugbau zur Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB). Unter der Führung von Ludwig Bölkow als Vorsitzendem ist MBB zu einer großen Systemfirma für Luftfahrt, Raumfahrt, Verteidigung, Verkehr und Energietechnik geworden.

Ende 1977 schied er 65-jährig aus der Geschäftsführung von MBB aus. Seitdem betätigte er sich aktiv auf dem Gebiet der Langfristuntersuchungen der Solar- und Wasserstoffenergie-Technik, der Verkehrstechnik und anderer umweltfreundlicher Technologien - seit 1983 im Rahmen seiner Ludwig-Bölkow-Stiftung. „,Technosoph von der Isar“ – dieser Titel beschreibt seine große Spannweite sehr treffend“, sagten Hertrich und Camus. „Es ist kein Zufall, daß sich das Bildungsprogramm der Bölkow GmbH in den sechziger Jahren neben den üblichen Fachseminaren auch Themen wie ,Technik als Herausforderung der Philosophie’ oder ,Physik - Philosophie - Politik- Religion: Zersplitterung oder Entgrenzung?’ finden.“

Dipl.-Ing. Dr.-Ing. E.h. mult. Ludwig Bölkow wurden zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen zuteil, darunter vor allem das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und der Bayerische Verdienstorden, sowie der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst, der Ehrenring des Vereins Deutscher Ingenieure, der Ludwig-Prandtl-Ring der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, der Werner-von-Siemens-Ring und die Goldene Ehrenmünze der Stadt München.

Ihre Ansprechpartner:

Dr. Rainer Ohler
+ 49 89 607 34235
Miguel Sanchez
+ 34 91 585 77 89
Roland Sanguinetti
+ 33 1 4224 24 26