Stand: 15  Dezember  2006 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

Airbus sichert Arbeitsplätze durch erweiterte Flexibilisierung

Toulouse, 02 Mai 2003

Airbus hat ein umfangreiches Flexibilisierungspaket geschaffen, um auf die weltweiten Auslastungsschwankungen innerhalb der Luftfahrtindustrie reagieren zu können und hat damit neue Standards gesetzt. Bereits bewährte und neue „Flexi-Bausteine“ wurden jetzt in der Konzernbetriebsvereinbarung „Sicherheit durch Flexibilität festgelegt und von der Geschäftsführung sowie dem Konzernbetriebsrat der Airbus Deutschland GmbH unterzeichnet. Die IG Metall Küste und die Arbeitgeberverbände Nordmetall, Unterweser und nordwestliches Niedersachsen haben durch einen speziellen Ergänzungsvertrag für Airbus die Regelungen zur Arbeitsplatzsicherung und Flexibilisierung ermöglicht.

Aufgrund der stark zyklischen Auslastungssituation in der Luftfahrtindustrie ist es für Airbus entscheidend, mit einer Fülle von Flexibilisierungsmaßnahmen auf die derzeit abgeschwächte Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen reagieren zu können. Wichtigstes Ziel ist es, flexibel auf kurz- und mittelfristige Schwankungen zu reagieren und so die Arbeitsplätze der Stammmitarbeiter trotz angespannter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zu sichern.

Die Konzernbetriebsvereinbarung sieht zum Beispiel vor, dass Mehrarbeit grundsätzlich in Freizeit vergütet wird. Deshalb wird neben den bisherigen und teilweise verbesserten „Flexi-Bausteinen“ aus dem Jahr 2001 ein völlig neues „+3 Kontensystem“ eingeführt. Dieses Kontensystem besteht aus einem Arbeitszeitkonto, einem Sicherheitskonto und einem Lebensarbeitszeitkonto. In dem Arbeitszeitkonto wird eine Brücke zwischen Gleitzeit, Mehrarbeit und kurzfristigem Kapazitätsausgleich geschlagen. Mehrstunden werden zunächst auf dieses Arbeitszeitkonto eingestellt, die von den Mitarbeitern unter Berücksichtigung betrieblicher Interessen für Freizeit eingesetzt werden können. Aus dem Arbeitszeitkonto können die Stunden auch auf das Sicherheitskonto oder das Lebensarbeitszeitkonto eingezahlt werden. Auf das Sicherheitskonto wird vom Unternehmen im Falle von Überkapazitäten kollektiv in bestimmten Bereichen zugegriffen, um eventuelle Kurzarbeit zu vermeiden. Das Lebensarbeitszeitkonto ermöglicht den Airbus-Mitarbeitern den vorzeitigen Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben ohne finanzielle Nachteile. Die in dieses Konto eingebrachte Zeit wird in Geld umgewandelt, in einem Fondmodell angelegt und zu einem späteren Zeitpunkt entnommen, um so den vorgezogenen Ruhestand zu finanzieren.

Mit dem „+3 Kontensystem“ können Kapazitäten effektiv sowohl in Hochlaufphasen als auch in Auslastungslücken gemanagt werden. Sind die Möglichkeiten der Konten im letzteren Fall ausgeschöpft, so regelt das Abkommen auch weitergehende Maßnahmen wie beispielweise die Arbeitszeitverkürzung mit entsprechender Lohnanpassung.

Ein weiteres Novum dieses Abkommens ist der verstärkte Einsatz von externen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die zukünftig die gleichen Arbeitsbedingungen und somit vergleichbare Vergütung erhalten wie die Stammmitarbeiter von Airbus. Dies geschieht im Hinblick auf die verlängerte Einsatzmöglichkeit von Leiharbeitskräften. Für eine eventuelle gesetzliche Möglichkeit des unbefristeten Einsatzes ist Airbus mit diesem Abkommen vorbereitet.

Zu den weiteren Flexibilisierungsmaßnahmen, die bislang sehr erfolgreich angewendet wurden und zur Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze beigetragen haben, gehören die Einstellung von Mitarbeitern mit befristeten Arbeitsverträgen, der Einsatz von Leiharbeitnehmern, vorübergehende Kurzarbeit, der Abschluss von 40-Stunden-Verträgen sowie Fremdvergabe von Arbeitspaketen.

Ferner wurde vereinbart, eine Ausbildungsquote von mindestens fünf Prozent der Stammbelegschaft durch das Angebot von Ausbildungsverträgen zu erhalten. Allen Auszubildenden, die während der Laufzeit dieser Konzernbetriebsvereinbarung die Ausbildung in den für Airbus typischen Berufen abschließen, wird grundsätzlich ein unbefristetes Arbeitsverhältnis angeboten. Zur Zeit beschäftigt Airbus in Deutschland rund 900 Auszubildende und insgesamt etwa 17.000 Mitarbeiter.

Die Konzernbetriebsvereinbarung ist die Weiterentwicklung von bestehenden Vereinbarungen, die sich bewährt haben, um auf zyklische Schwankungen reagieren zu können. Während die bisherigen „Flexi“Maßnahmen vornehmlich darauf ausgerichtet waren, in Hochlaufzeiten die erforderliche Balance zwischen dem Aufbau von Stammbelegschaft und der zusätzlichen Beschaffung von flexibler Kapazität zu regeln, erweitert die Vereinbarung vom April 2003 die Flexibilität von Airbus, um angemessen auf Kapazitätsschwankungen reagieren zu können.

Gerhard Puttfarcken, Vorsitzender der Geschäftsführung der Airbus Deutschland GmbH sagte zur Unterzeichnung der Konzernbetriebsvereinbarung: „Seit der Einführung der ersten Flexibilisierungsabkommen auf Betriebsebene konnte Airbus in Deutschland rund 3.500 neue Mitarbeiter einstellen. Die neue Konzernbetriebsvereinbarung wird die mehr als 17.000 Arbeitsplätze bei Airbus in Deutschland auch in diesen schwierigen Zeiten sichern.“

Peter Zimmermann, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates der Airbus Deutschland GmbH, sagte: „Dieses Abkommen schafft ein Höchstmaß an Arbeitsplatzsicherheit in allen Standorten. Zusätzlich erhalten Leiharbeitnehmer zukünftig die gleichen Arbeitsbedingungen und Vergütungen wie die Stammbelegschaften.“

„Airbus hat mit der vorliegenden Vereinbarung eine passgenaue betriebsspezifische Lösung gefunden, die den Belangen dieses Industriezweiges Rechnung trägt und auf den historisch gewachsenen Betriebsvereinbarungen basiert. Ob diese Vereinbarung in Teilen auf andere Unternehmen übertragbar ist, müsste in jedem Einzelfall genau geprüft werden“, so Dr. Thomas Klischan, Hauptgeschäftsführer NORDMETALL.

„Diese Vereinbarung hat Modellcharakter zur Optimierung betrieblicher Beschäftigungspolitik“, erklärte Frank Teichmüller, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Denn Ziel dieser Regelungen sei es, der Arbeitsplatzsicherung den Vorrang vor Arbeitszeitverlängerung zu geben.

Airbus ist ein führender Flugzeughersteller mit der modernsten und umfassendsten Produktpalette auf dem Markt. Das weltweit operierende Unternehmen mit Hauptsitz in Toulouse verfügt über Konstruktions- und Fertigungsstandorte in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien und ist mit eigenen Tochtergesellschaften in den USA, China und Japan vertreten. Airbus ist ein EADS-Unternehmen mit BAE SYSTEMS.