Marignane/Ottobrunn, 04 Juli 2003
Zum Erhalt der Einsatzfähigkeit der Waffensysteme Tiger und NH90 der Bundeswehr entsteht bei Eurocopter Deutschland in Ottobrunn ein Systemunterstützungzentrum (SUZ) als Schaltzentrale für die Pflege und Weiterentwicklung dieser beiden hochkomplexen Waffensysteme. In einem Appell zur Aufstellung dieses Zentrums wurden am 4. Juli 2003 am Eurocopter-Standort Ottobrunn rund zwanzig Mitarbeiter des Waffensystemunterstützungszentrums Landsberg als erste Kernmannschaft des militärischen Anteils des SUZ begrüsst und ihren neuen Kollegen aus der Industrie vorgestellt.
Bert Stegkemper, General Manager der Standorte der Eurocopter Deutschland GmbH, bezeichnete diese Kooperation als wegweisend für den Wandel bei der Bundeswehr und die neuen Herausforderungen, die auf die Industrie als Lieferant und Systempartner zukommen. Das SUZ leistet einen massgeblichen Beitrag zum Erhalt der Systemkompetenz der Industrie wie auch zur Sicherung der Arbeitsplätze am Eurocopter-Entwicklungsstandort Ottobrunn. Auf die herausragende Bedeutung von Software-Kompetenz bei den Waffensystemen Tiger und NH90 wies Brigadegeneral Berthold Buchholz, Kommandeur des Luftwaffenmaterialkommandos, hin. Der Aufbau eines gemeinsamen militärischen Zentrums zur Systempflege und –änderung von Bundeswehr und Industrie ist ein logischer Schritt zur Fortsetzung der mit der Entwicklung und Qualifikation der beiden Systeme begonnenen Zusammenarbeit.
Im gemeinsamen SUZ führen Eurocopter Deutschland und die Bundeswehr die Pflege und Änderung der taktisch-operationellen Systemsoftware der beiden Helikopter in Kooperation durch. Ziel von Eurocopter ist es, die Nutzungsanforderungen der Bundeswehr auf bestmögliche Weise zu unterstützen und so die Zufriedenheit des Kunden mit dem Produkt sicherzustellen. Der Aufbau des SUZ wird nach derzeitigem Sachstand 2007 abgeschlossen sein.
Um die volle Einsatzfähigkeit komplexer Waffensysteme mit Bordrechner-Software in allen sicherheitspolitischen Situationen zu gewährleisten, ist eine permanente Pflege und Änderung der frei programmierbaren Software notwendig. Diese zentrale Aufgabe für die beiden Waffensysteme Tiger und NH90 soll nach Beschluss des Bundesverteidigungsministeriums in einem kooperativen Modell zwischen der Industrie und der Bundeswehr, unter Führung von Eurocopter Deutschland, erfüllt werden. Das angestrebte Resultat ist geballte Fachkenntnis bei maximaler Kosteneffizienz. Neben Eurocopter und der Bundeswehr – hier dem Waffensystemunterstützungszentrum - werden auch einige Unterauftragnehmer eingebunden sein.
Mit der Einrichtung eines User-Help-Desk für die Anfragen der Einsatzverbände und des Amtsbereichs können im Einsatz auftretende Probleme schnell eingekreist und mit den im SUZ verfügbaren technischen Mitteln nachvollzogen werden. Aus dem SUZ heraus werden Analyseteams die Einsatzverbände auch vor Ort unterstützen – in Deutschland, wie in eventuellen Einsatzländern. Auf der Basis dieser detaillierten Problemanalyse können im Bedarfsfall, die Zustimmung des Kunden vorausgesetzt, notwendige Änderungen an der System-Software vorgenommen und in die Bordrechner eingespeist werden. In Ergänzung zum Ausbildungsprogramm der Technischen Schule der Luftwaffe werden im SUZ zudem Systemingenieure, Systemtechniker und Systemprüfer der Bundeswehr auf ihren Einsatz vorbereitet.
Der Aufbau des SUZ ermöglicht es, die bei der Entwicklung des Tiger aufgebauten Kompetenzen im Bereich Avionik-Systeme und Software-Entwicklung am Standort Ottobrunn für die Nutzungsdauer der beiden Waffensysteme zu erhalten. Das SUZ soll bis 2007 auf eine Personalstärke von etwa 200 Personen ausgebaut werden. Das Team wird nach jetziger Planung aus 130 Industrie-Mitarbeitern und 60 Bundeswehrangehörigen bestehen. Ferner sind zehn Personen des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung zugeordnet. Seit einigen Jahren arbeiten bei Eurocopter bereits einige Bundeswehroffiziere in der System- und Software-Entwicklung für den Tiger und NH90 mit. Das SUZ mit seinem umfassenden Leistungspaket wird, in Absprache mit dem Bundesverteidigungsministerium, auch anderen Nutzern, einschließlich Exportkunden des Tiger und NH90, offen stehen.
Eurocopter ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der EADS. Die EADS ist ein führendes Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen und mit einem Umsatz von 29,9 Milliarden Euro im Jahr 2002 die zweitgrösste Firma der Branche. Sie beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter und gehört zu den Marktführern bei Verteidigungstechnologie, ziviler Luftfahrt, Hubschraubern, Raumfahrt, militärischen Transport- und Kampfflugzeugen sowie den dazugehörigen Dienstleistungen. Zur EADS gehören der zivile Flugzeugbauer Airbus, der weltweit grösste Hubschrauberhersteller Eurocopter, die Raumfahrtfirma Astrium und MBDA, das zweitgrösste Lenkflugkörperunternehmen der Welt. Die EADS ist der grösste Partner im Eurofighter-Konsortium und entwickelt auch das militärische Transportflugzeug A400M. Das Unternehmen verfügt über mehr als 70 Standorte in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Spanien. Es ist weltweit tätig, unter anderem auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, Russland und Asien.
Das Waffensystemunterstützungszentrum mit Sitz in Landsberg am Lech, das den militärischen Anteil am SUZ NH90/Tiger führt, ist ein Verband auf Regimentsebene, das dem Luftwaffenmaterialkommando in Köln-Wahn untersteht. Es wurde am 01. April 2002 gegründet und führt die Programmierzentren, Typenbegleitmannschaften und Systemunterstützungszentren der Luftwaffe. Das Waffensystemunterstützungszentrum hat den Auftrag, Systeme in der Materialverantwortung des Inspekteur der Luftwaffe in der Einführung und Nutzung zu begleiten. Dabei handelt es sich insbesondere um fliegende Waffensysteme und FlaRak-Systeme, aber auch um Einsatzführungs- sowie um Führungs- und Informationssysteme. Das Waffensystemunterstützungszentrum ist der einzige Verband der Bundeswehr mit diesem Auftrag und daher ein Unikatverband. In seinem Aufgabenbereich werden auch Leistungen für Heer und Marine erbracht. Das Kennzeichen dieses neuen Verbandes ist jedoch die Kooperation mit der Industrie, wie sie u.a. im Systemunterstützungszentrum NH90/Tiger nun fixiert ist.
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