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Astrium liefert Radarinstrument für den „Weltraum-Wächter“:

  • Astrium und Thales Alenia Space unterschreiben Liefervertrag
  • Neuer ESA-Satellit für Umweltbeobachtung und Sicherheit
  • Mit Sentinel-1 setzt Astrium seine Radar-Erfolgsgeschichte fort

Friedrichshafen, 16  November  2007

Vertragsunterschrift für Sentinel-1 in Friedrichshafen: (v.l.) Massimo Di Lazzaro (Thales Alenia Space), Roland John, Finanzchef der Astrium und Uwe Minne, Direktor Erdbeobachtung und Wissenschaft der Astrium

Vertragsunterschrift für Sentinel-1 in Friedrichshafen: (v.l.) Massimo Di Lazzaro (Thales Alenia Space), Roland John, Finanzchef der Astrium und Uwe Minne, Direktor Erdbeobachtung und Wissenschaft der Astrium

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© EADS

Astrium setzt seine Erfolgsgeschichte bei Weltraumradaren fort: Das Unternehmen wird nach den Radarinstrumenten für die Satelliten ERS1/2, Envisat und Metop erneut ein abbildendes Radar für einen ESA-Satelliten entwickeln und bauen. Heute unterschrieben in Friedrichshafen Massimo Di Lazzaro, Senior Vice President and General Manager Erdbeobachtungssysteme & Radare von Thales Alenia Space und Uwe Minne, Direktor für Erdbeobachtung und Wissenschaft der Astrium GmbH, den entsprechenden Entwicklungs- und Liefervertrag. Die Europäische Weltraumorganisation ESA hatte im Februar den Hauptauftrag für den Sentinel-1-Satelliten an Thales Alenia Space vergeben. Astrium wird nun das C-Band-Radar für den Satelliten Sentinel-1 liefern. Das gesamte Auftragsvolumen des Projekts beträgt 229 Millionen Euro, das Volumen des SAR-Instruments beläuft sich auf rund 85 Millionen. Sentinel-1 ist Element des Programms GMES (Global Monitoring for Environment and Security), einer Initiative der Europäischen Kommission und der ESA mit dem Ziel, nachhaltig ein europäisches Netzwerk zur Erfassung und Auswertung von Umweltdaten zu erstellen. Sentinel-1 soll helfen, Umweltereignisse auf der ganzen Welt zu beobachten und zu analysieren.

Der rund 2,2, Tonnen schwere Satellit wird ab 2011 die Erde in 700 Kilometern Höhe umrunden, seine Umlaufbahn führt ihn bei jedem Umlauf über die Erdpole, so dass das Radarinstrument die Erde "streifenweise" abtasten kann, während diese sich unter ihm dreht. Mindestens sieben Jahre lang soll Sentinel-1 die Erde aus dem Orbit beobachten. Sentinel-1 wurde konzipiert, um als Nachfolger der momentan eingesetzten Satelliten ERS und Envisat die Kontinuität in der radar-getragenen Erdbeobachtung zu gewährleisten. Gegenüber den Vorgängermissionen ERS und Envisat wird das Radarinstrument von Sentinel-1 Verbesserungen beinhalten, wie zum Beispiel eine höhere Antennenleistung, die eine bessere Datenqualität gewährleisten wird.

Das von Astrium gebaute C-Band SAR-Instrument ist das Herzstück der Mission. Es liefert Radarbilder von der Erdoberfläche. Beim Synthetic Aperture Radar (SAR) wird durch der Flugbewegung des Satelliten eine wesentlich größere Antenne simuliert als tatsächlich vorhanden ist. Dadurch wird die Auflösung der Aufnahmen erheblich verbessert. Das Radar von Sentinel-1 operiert im C-Band-Wellenbereich. Der C-Band-Radarstrahl, der eine Wellenlänge von sechs Zentimetern hat, dringt durch Wälder und Büsche bis auf den Erdboden durch, Bewegungen/Veränderungen der Erdoberfläche werden mit Hilfe des C-Band-Radars im Zentimeterbereich wahrgenommen.

Sentinel-1 ist mit einer aktiven Antenne ausgestattet, die aus 280 Einzelantennen besteht; inklusive der Sende-/Empfangsmodule, die von Thales Alenia Space beigestellt werden. Die aktive Antenne kann elektronisch auf ein neues Aufnahmegebiet gerichtet werden ohne dass sie hierzu bewegt werden muss. Mit Hilfe dieser Technik können beim Überflug mehrere nebeneinander liegende Streifen abgetastet und später zu einem größeren Gesamtbild zusammengesetzt werden.

Das Radarinstrument kann in vier verschiedenen Beobachtungsmodi arbeiten, die sich vor allem in der Breite des erfassten Korridors und in der Auflösung der Radarbilder unterscheiden. So kann Sentinel-1 auf die unterschiedlichsten Anforderungen reagieren. Im Strip-Map-Mode werden 80 Kilometer breite Streifen mit einer Auflösung von 5x5 Metern aufgenommen. Der interferometrische Wide-Swath-Mode nimmt 250 Kilometer breite Streifen mit einer Pixelgröße von 5x20 Metern auf. Übersichtliche Großaufnahmen können durch den Extrawide-Swath-Mode realisiert werden. Bei diesem Modus wird ein 400 Kilometer breiter Streifen bei einer Auflösung von 100x25 Metern erfasst. Der vierte Modus, der sogenannte Wave-Mode, liefert 20x20 Kilometer breite Spots bei einer Auflösung von 20x5 Metern.

Sentinel-1 ist speziell für ein breites Aufgabenspektrum in den Bereichen Umwelt und Sicherheit ausgelegt. Die Beobachtung der abschmelzenden Eismassen in Grönland kann beispielsweise wichtige Daten liefern, auf deren Grundlage Aussagen über die Höhe des Anstiegs des Meeresspiegels gemacht werden können. Sentinel-1 dient darüber hinaus der Beobachtung von Umweltereignissen wie Waldbränden und der Aufklärung und Unterstützung in kritischen Situationen, in denen aktuelle Daten binnen kürzester Zeit verfügbar sein müssen. Einsatze in Krisengebieten werden künftig auch mit Hilfe der Satellitendaten bewertet und geplant.

Überdies lassen sich an jedem Punkt der Erde humanitäre Hilfsprojekte nach Naturkatastrophen und nachfolgende Aufbaumaßnahmen mit genauen und aktuellen Karten leichter koordinieren. Besonders bei Überschwemmungen hilft die hochentwickelte Radartechnologie des Sentinel-1, genaue Vorhersagen zum Wasserstand und zum möglichen Eintreffen der Flut in den betroffenen Gebieten machen. Bisher greifen die Organisationen des Katastrophenschutzes oftmals auf Daten optischer Sensoren zurück. Dies kann gegebenenfalls eine längere Wartezeit erfordern, nämlich dann, wenn es dunkel oder bewölkt ist. Sentinel-1 ist in diesen Situationen den optischen Geräten durch seine Radartechnologie weit überlegen. Radar hat gegenüber Aufnahmen im Bereich des sichtbaren Lichts mehrere entscheidende Vorteile: Erstens schafft der Radar-Strahl seine eigene, stets genau definierte "Beleuchtung". Das ist bei optischen Satellitenaufnahmen anders, auf denen der jeweilige Sonnenstand das Erscheinungsbild einer Landschaft stark beeinflusst. Zweitens arbeitet ein Radar Tag und Nacht, und drittens kann es auch bei widrigen Witterungsverhältnissen scharfe Aufnahmen liefern. Dadurch ist es möglich, Schutzmaßnahmen wesentlich besser und umfassender zu planen und zu koordinieren.

Des Weiteren finden die Daten des Sentinel-1 Anwendung in der Unterstützung landwirtschaftlicher Projekte. Der Satellit liefert unter Anderem wichtige Informationen zur Erntebeobachtung.

Astrium ist seit vielen Jahren einer der führenden Anbieter von Weltraumradaren. Neben der industriellen Gesamtverantwortung für Envisat, ERS-1/ERS-2, TerraSAR-X und TanDEM-X hat EADS Astrium auch die SAR-Nutzlasten AMI (ERS) und ASAR (Envisat) sowie ASCAT (Metop) entwickelt und gebaut.

Über GMES

GMES (Global Monitoring for Environment and Security) ist ein gemeinsames Programm der EU und ESA zur komplexen Überwachung der Erde mit boden- und weltraumgestützten Sensoren, um Politikern und Fachleuten aktuelle Daten für vielfältige umwelt-, wirtschafts-, verkehrs- oder sicherheitspolitische Entscheidungen in die Hand geben zu können.

Ziel ist es, die unterschiedlichen Aktivitäten in den geowissenschaftlichen Bereichen sowie der Erdbeobachtung in Europa zu integrieren. Dabei geht einerseits um die möglichst effiziente Verwendung bereits existierender Satellitensysteme und deren Daten und den Aufbau nachhaltiger operationeller Systeme, die speziell auf dieses Aufgabenspektrum angestimmt sind. Die Reihe der Sentinel-Satelliten bildet in Europa das dezidierte GMES-Raumsegment ab.

Über Thales Alenia Space:

Thales Alenia Space, ein führendes Unternehmen für Satellitensysteme und orbitale Infrastrukturen, ist ein Zusammenschluss von Thales (67%) and Finmeccanica (33%). Zusammen mit Telespazio, bildet Thales Alenia Space die "Space Alliance" zwischen den beiden Gruppen. Das Unternehmen ist weltweit anerkannt in den Bereichen Telekommunikation, radargestützte und optische Erdbeobachtung, Verteidigung und Sicherheit, Navigation und Wissenschaft. Thales Alenia Space hat rund 7.200 Mitarbeiter an elf Standorten in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien.

Über Astrium

Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2006 erreichte Astrium einen Umsatz von 3,2 Milliarden € und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.

EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2006 lag der Umsatz bei rund 39,4 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 116.000.

Pressekontakt:

Mathias Pikelj Astrium
Tel.: +49 (0) 7545 8 91 23

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