Astrium untersucht im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR, Köln) unter dem Projektnamen „Venus“ (Vega New Upper Stage) Konzepte einer neuen Oberstufe für die europäische Trägerrakete Vega. Vega ist ein in der Entwicklung befindlicher europäischer Kleinträger, der erstmals 2009 starten soll. Die jetzt an Astrium vergebene Studie hat ein Volumen von rund einer halben Million Euro und läuft über 18 Monate.
„Diese Studie hat ein enormes Potenzial für Astrium in Bremen. Wir eröffnen uns damit die Perspektive, in Zukunft für alle europäischen Träger die Oberstufen zu entwickeln und zu bauen. Mit dieser Untersuchung für eine leistungsfähige Vega-Oberstufe können wir unser Ariane Know-how einbringen und uns als der Spezialist für Oberstufen in Deutschland und Europa etablieren“, sagte Günter Stamerjohanns, Astrium Leiter für Trägersysteme in Deutschland, anlässlich der Vertragsunterzeichnung an Bord des Segelschulschiffes „Deutschland“ in Bremen. Für den Kleinträger Vega, ausgelegt für eine Nutzlast bis zu 1,5 Tonnen, ist derzeit eine Oberstufe mit einem russisch/ukrainischen Antriebssystem vorgesehen.
„Deutschland unterstützt die Forderung nach einem unabhängigen europäischen Zugang ins All. Gerade im Bereich der Kleinträger wird dieser Anspruch zunehmend wichtiger, weil wir uns mit sinkender Verfügbarkeit und steigenden Startpreisen für russische Trägerraketen aus Rüstungskonversion konfrontiert sehen“, so Dr. Claus Lippert, Leiter für Trägersysteme bei der DLR-Raumfahrtagentur.
Der Kleinträger Vega wird gegenwärtig im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA unter italienischer Führung entwickelt. Deutschland ist an dem Programm bisher nicht beteiligt. Sollte sich aufgrund des zu erwartenden höheren Transportbedarfs an europäischen Kleinsatelliten einerseits sowie eines erhöhten Risikos durch Abhängigkeit von russischen Startdienstleistungen andererseits eine Entscheidung zur verstärkten Europäisierung und Leistungssteigerung der Vega abzeichnen, könnte eine Beteiligung Deutschlands - als Spezialist für Oberstufen - an diesem Programm notwendig werden, so Lippert weiter. „Zur Vorbereitung dieser möglichen Entscheidung haben wir Astrium beauftragt, mit Venus unterschiedliche technische Konzepte zu untersuchen.“ Auf Basis dieser Ergebnisse werde man 2008 dann entscheiden können, ob und wie sich Deutschland an einer möglichen Weiterentwicklung der Vega beteiligen werde. Das Thema wird in enger Abstimmung mit ESA und der italienischen Agentur ASI behandelt und ist voraussichtlich eines der Themen auf der nächsten Ministerkonferenz der ESA-Staaten Ende 2008, sagte Lippert abschließend.
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme sowie weltraumgestützte Dienstleistungen. Im Jahr 2006 erzielte Astrium einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: die beiden Business Units Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2006 lag der Umsatz bei rund 39,4 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 116.000.