Stand: 06 Juni 2007 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

Astrium erhält Zuschlag für den Bau von Amazonas-2

  • Telekommunikationssatellit wird Dienste für Amerika liefern
  • 46. Satellit der Baureihe Eurostar
  • Deutsche Unternehmensteile sind maßgeblich beteiligt

Madrid, 06 Juni 2007

Der spanische Satellitenbetreiber Hispasat hat Astrium mit dem Bau des Telekommunikationssatelliten Amazonas-2 beauftragt. Der Satellit soll 2009 gestartet werden und wird von seiner geostationären Position bei 61 Grad westlicher Länge ein breites Spektrum an Telekommunikationsdiensten für Nord- und Südamerika liefern. Deutsche Astrium-Standorte sind am Bau dieses Satelliten maßgeblich beteiligt.

Genau wie der im August 2004 gestartete Amazonas-1 wird auch der neue Satellit auf Astriums Satellitenplattform Eurostar E3000 basieren, der aktuellen Version der erfolgreichen Eurostar-Baureihe. Der auf eine Missionszeit von 15 Jahren ausgelegte Amazonas 2 wird beim Start eine Masse von 5,4 Tonnen haben. Ausgestattet ist der Satellit mit 54 aktiven Transpondern im Ku-Band, sowie zehn weiteren Transpondern im C-Band. Die Nutzlastleistung liegt bei 12 kW. Amazonas-2 wird bereits der 46. Eurostar-Satellit sein und der 18. des Typs E3000. "Wir freuen uns sehr, dass mit Hispasat ein langjähriger Astrium-Kunde erneut auf den Eurostar E3000 setzt um seine strategische Position auf dem amerikanischern Markt auszubauen", so Antoine Bouvier, CEO von Astrium Satellites.

Ein Drittel von Amazonas 2 kommt aus Deutschland

Von deutschen Standorten des Raumfahrtunternehmens kommen eine Reihe wichtiger Subsysteme und Komponenten für Amazonas 2. Als einziges Raumfahrtunternehmen in Deutschland verfügt Astrium über Know-how in der gesamten Wertschöpfungskette der Satellitenkommunikation - von der Systemauslegung über die Herstellung von Untersystemen und Komponenten bis hin zum Satellitenbetrieb. An Astriums Eurostar-Satelliten sind deutsche Unternehmensteile zu rund einem Drittel beteiligt. Insgesamt erzielt Astrium in Deutschland mit seinen Telekom-Aktivitäten einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro pro Jahr.

So werden beispielsweise die Solargeneratoren, die Amazonas-2 mit Strom versorgen, in Ottobrunn nahe München gebaut. Ein Solargenerator für einen Eurostar-Satelliten, liefert eine Leistung von bis zu 25 Kilowatt - genug um ein Einfamilienhaus mit Energie zu versorgen. Mit entfalteten Solargeneratoren hat ein Eurostar-Satellit eine Spannweite, die etwa der eines mittelgroßen Passagierjets entspricht. Trotzdem bringen die beiden "Flügel" des Satelliten gemeinsam nur gut 250 Kilogramm auf die Waage.

In Ottobrunn werden auch die Antennen vieler Kommunikationssatelliten getestet. Dafür verfügt Astrium über eine spezielle Antennenmessanlage, in der auf relativ kleinem Raum die Bedingungen simuliert werden, die herrschen wenn das Funksignal auf dem Weg zum oder vom Satelliten riesige Distanzen überwinden muss.

In Lampoldshausen in der Nähe von Heilbronn fertigt und testet Astrium die Antriebe für die Eurostar-Satelliten. Im Normalfall wird ein Kommunikationssatellit auf einem so genannten geostationären Transferorbit abgesetzt. Von dort aus gelangt er mit einem bordeigenen Triebwerk - dem Apogäumsmotor - in seine endgültige geostationäre Umlaufbahn. Ein solches Triebwerk ist nur wenig größer als ein Schuhkarton, erreicht aber in etwa die gleiche Leistung wie der Motor eines modernen Formel-1-Fahrzeugs. Wenn der Satellit dann seine endgültige Umlaufbahn erreicht hat, sorgt eine Reihe von Kleintriebwerken dafür, dass er seine Position über seine gesamte Lebenszeit genau hält und exakt zur Erde ausgerichtet bleibt.

Bei der Astrium-Tochtergesellschaft Tesat-Spacecom im baden-württembergischen Backnang stellen rund als 650 Mitarbeiter elektronische komplette Nutzlasten für Kommunikationssatelliten her. Zum Produkt-Portfolio des Unternehmens gehören Verstärker, Filter und Multiplexer, Mikrowellenschalter sowie Modulatoren/Demodulatoren. Außerdem verfügt das Unternehmen über einzigartige Expertise auf dem Gebiet der optischen Kommunikation mit Lasern. Etwa die Hälfte der Nutzlast für Amazonas-2 wird von Tesat-Spacecom geliefert.

Erstmals wieder Kommunikationssatelliten unter deutscher Führung

Nicht nur als Zulieferer ist die deutsche Satellitenindustrie im Telekommunikationsbereich hervorragend positioniert. Im Rahmen des Satellitenkommunikationsprogramms der Deutschen Bundeswehr, SatcomBW Stufe 2, werden erstmals seit 25 Jahren wieder Kommunikationssatelliten unter deutscher Programmführung gebaut: Astrium liefert zwei geostationäre Satelliten, welche die geschützte Übertragung von Sprache, Fax und Daten sowie Video- und Multimedia-Anwendungen ermöglichen. Astrium realisiert das SatcomBW-Programm gemeinsam mit dem Friedrichshafener Telekommunikationsausrüster ND Satcom. Der Anteil inländischer Wertschöpfung an diesem Programm liegt bei rund 60 Prozent. Die Möglichkeit zu weiteren nationalen Kommunikationssatelliten-Projekten wird bei Astrium derzeit untersucht.

Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme sowie weltraumgestützte Dienstleistungen. Im Jahr 2006 erzielte Astrium einen Umsatz von 3,2 Milliarden € und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: die beiden Business Units Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.

EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2006 lag der Umsatz bei rund 39,4 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 116.000.

Pressekontakt:

Hendrik Thielemann Tel.: +49 (0) 89 607 2 72 44
Mathias Pikelj Tel.: +49 (0) 7545 8 91 23

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