Stand: 15  Dezember  2006 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

Columbus: Europas zentraler Beitrag zur
Internationalen Raumstation ISS

  • EADS SPACE hat Weltraumlabor an die ESA übergeben
  • ISS-Modul ermöglicht Forschung unter Schwerelosigkeit
  • Start im Herbst 2007 geplant

Berlin, ILA 2006,, 16 Mai 2006

Das europäische Weltraumlabor Columbus steht vor seiner ersten Reise: Das Forschungsmodul für die Internationale Raumstation ISS wird Ende Mai mit dem Airbus-Spezialfrachter Beluga von Bremen in die USA geflogen. Am 2. Mai 2006 hatte die Bremer EADS SPACE Transportation das Weltraumlabor im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel, an den Auftraggeber, die Europäische Weltraumorganisation ESA, offiziell übergeben. Zehn Jahre hatten die Raumfahrtingenieure der EADS SPACE Transportation in Bremen an dem fast 13 Tonnen schweren Raumstationsmodul gearbeitet. Das 880 Million Euro teure Labor soll im Herbst 2007 mit einem Space Shuttle vom Kennedy Space Center in Florida ins All gebracht werden.

Columbus ist der zentrale Beitrag Europas zur Internationalen Raumstation ISS. Hauptauftragnehmer für Auslegung, Entwicklung und Bau ist EADS SPACE Transportation in Bremen. Insgesamt sind am Columbus-Projekt zehn europäische Länder beteiligt. Die größten Partner dabei waren Deutschland (51 Prozent), Italien (23 Prozent) und Frankreich (18 Prozent). Ferner sind die USA und Kanada beteiligt. An Bord von Columbus haben künftig Wissenschaftler die Möglichkeit Experimente durchzuführen, die unter den Bedingungen der Schwerkraft auf der Erde so nicht möglich sind.

Die Konzeption des Columbus-Moduls basiert auf den Erfahrungen, die EADS SPACE Transportation seit Ende der 70er Jahre mit der Entwicklung und dem Bau des Raumlabors Spacelab gesammelt hat. Spacelab ist bis 1998 insgesamt 22 Mal an Bord eines Space Shuttles ins All geflogen.

Das Columbus-Labor ist 8 m lang, hat einen Durchmesser von 4,50 m und wiegt beim Start fast 13 Tonnen - inklusive der 2,5 Tonnen schweren Nutzlast. In dem Labor befinden sich zehn so genannte Racks, das sind international standardisierte Nutzlastschränke, in denen Experimentieranlagen untergebracht werden können.

Columbus ist für eine Einsatzzeit von mindestens zehn Jahren ausgelegt. Das Modul bietet drei Crewmitgliedern ausreichend Raum, um Forschung in der Schwerelosigkeit zu betreiben. In dem Labor haben Wissenschaftler die Möglichkeit, Untersuchungen, in allen Disziplinen der Grundlagenforschung (Biotechnologie, Medizin, Materialwissenschaften, Flüssigkeitswissenschaften, Humanwissenschaften) sowie Experimente auf dem Gebiet angewandter Technologieprojekte durchzuführen. Diese sind unter den Bedingungen der Schwerkraft auf der Erde so nicht möglich sind. Der Grund: Werkstoffe oder Flüssigkeiten verhalten sich im Zustand der Schwerelosigkeit anders als auf der Erde. So verschmelzen beispielsweise metallische Legierungen im All miteinander, während sie unter dem Einfluss der Schwerkraft keine optimale Verbindung miteinander eingehen. Ähnliches gilt für flüssige Substanzen, die im Weltraum Gemische bilden, auf der Erde aber nicht.

Wissenschaftliche Ausrüstung für Columbus

Bereits beim Start werden die Racks des Columbus-Labors mit verschiedenen Experimentieranlagen ausgerüstet sein:

das Biolab, das Versuche mit Zellen, Gewebekulturen, Mikroorganismen, kleinen Pflanzen und wirbellosen Tieren ermöglicht.

das European Physiology Module (EPM), das der Untersuchung der Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus dient. Im Mittelpunkt stehen Phänomene wie Knochenschwund und Veränderungen des Immunsystems sowie der menschliche Flüssigkeitshaushalt.

das Fluid Science Lab (FSL), in dem das dynamische Verhalten und andere Phänomene von Flüssigkeiten untersucht werden.

das European Drawer Rack (EDR), ein Universal-Schrank, in dem vier beliebige kleinere Nutzlasten, Anschlüsse für Daten- und Videoübertragung sowie mechanische und thermale Kontrolle Platz finden.

Maßgeblich beteiligt an den Nutzlasten für Columbus ist der Standort Friedrichshafen der EADS SPACE. Die Ingenieure vom Bodensee sind bereits seit Jahrzehnten weltweit anerkannte Spezialisten für Entwicklung und Bau von Anlagen für Experimente unter Schwerelosigkeit. Die aus Friedrichshafen stammenden Kristallzuchtanlagen Protein Crystallisation and Diagnostic Facility (PCDF) und Advanced Protein Crystallisation Facility (APCF) sowie das Cardiolab (CL) sind ebenfalls für das Columbus-Labor vorgesehen, werden aber erst nach dem Andocken an die Internationale Raumstation integriert.

Die frische Luft an Bord von Columbus "kommt" ebenfalls vom Bodensee: In Friedrichshafen wurde das Environmental Control and Life Support System (ECLSS) entwickelt und gebaut. ECLSS überwacht den atmosphärischen Druck, sorgt für den Austausch der Kabinenluft, erkennt Feuer und steuert eine Klimaanlage zur Regelung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Kabine.

ESA und NASA hatten dem Columbus-Labor bereits im Sommer 2003 die Flugtauglichkeit erteilt. Die Probleme mit dem Space Shuttle haben jedoch den Ausbau der Internationalen Raumstation verzögert, so dass auch Columbus später starten wird als ursprünglich geplant. Die zusätzliche Zeit bis zur Auslieferung des Labors nutzten die Bremer EADS-Ingenieure für zusätzliche Integrationsarbeiten und Tests.

EADS SPACE Transportation ist auch für die Schulung der Astronauten verantwortlich, die später im Columbus-Modul die Experimente durchführen werden. Diese Ausbildung findet im Europäischen Astronautenzentrum in Köln statt. Schon seit September 2002 steht in Köln ein von EADS SPACE Transportation gebautes Simulationssystem zur Verfügung. Ein zweiter baugleicher Trainer ist Anfang 2003 an das Astronauten-Trainingzentrum der NASA in Houston geliefert worden.

EADS SPACE - zentraler Industriepartner beim Aufbau der ISS

EADS SPACE ist im Rahmen des Aufbaus und Betriebs der Internationalen Raumstation an weiteren Projekten beteiligt. So ist das Unternehmen Hauptauftragnehmer für den unbemannten Raumtransporter ATV (Automated Transfer Vehicle), das die ISS mit Vorräten und Treibstoff versorgen wird. Außerdem wird das ATV die Station nach dem Andocken mit so genannten Reboost-Manövern immer wieder ein Stück anheben und so den allmählichen Geschwindigkeitsverlust und das damit verbundene Absinken der Station ausgleichen.

Außerdem liefert EADS SPACE weitere Experimentieranlagen für die ISS, die nicht im Columbus-Labor, sondern in anderen Stationsmodulen zum Einsatz kommen werden. Das Unternehmen ist auch am European Robotic Arm (ERA) beteiligt, der die Astronauten bei der Montage der Station und bei Wartungsarbeiten unterstützt.

EADS SPACE und Alcatel Alenia Space haben darüber hinaus das Gemeinschaftsunternehmen EURISS für Betrieb und Nutzung des europäischen Teils der ISS gegründet. EURISS ist der "Vermittler" zwischen der ESA und den an Raumstationsbetrieb und -nutzung beteiligten Unternehmen und ist der einzige Vertragspartner der ESA für alle industriellen Betriebs- und Nutzungsaktivitäten für den europäischen Teil der Internationalen Raumstation.

EADS SPACE, eine 100-prozentige Tochter der EADS ist einer der weltweit führenden Spezialisten für zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2005 erzielte EADS SPACE einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro mit 11.000 Mitarbeitern in Frankreich, Deutschland Großbritannien und Spanien. Das operative Geschäft teilen sich drei Tochtergesellschaften: Die EADS SPACE Transportation für Trägerraketen und bemannte Raumfahrtsysteme, die EADS Astrium für Satelliten und die dazu gehörigen Bodensegmente und die EADS SPACE Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.

Der EADS-Konzern ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2005 lag der Umsatz bei rund 34,2 Milliarden EURO, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 113.000.

Pressekontakt

Mathias Pikelj EADS SPACE
Tel.: +49 (0) 7545 8 91 23
Kirsten  Leung EADS SPACE
Tel.: +49 (0) 421 539 53 26

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