Long Beach, Kalifornien, 02
November
2005
Einer der weltweit modernsten Kommunikationssatelliten, der Inmarsat-4 F2 ist startklar: Der von Europas führendem Satellitenhersteller EADS Astrium entwickelte und gebaute Kommunikationssatellit soll am Samstag, 5. November, von einer seegestützten Startplattform im Pazifik ins All starten. Auch die deutsche Raumfahrtindustrie war maßgeblich am Bau dieses technischen Meisterwerks beteiligt.
In Ottobrunn hat EADS Astrium die Solargeneratoren für Inmarsat-4 gebaut, den leistungsfähigsten der bisher das Solargeneratorenzentrum des Unternehmens am Standort südöstlich von München verlassen hat. Dieses ultraleichte "Kraftwerk" besteht aus zwei Flügeln von je 22,5 Metern Länge. Der gesamte Satellit hat damit eine größere Spannweite als ein Passagierjet des Typs Airbus A 300. Trotzdem bringt der Solargenerator insgesamt nur 284 Kilogramm auf die Waage. Dabei liefert er auch am Ende seiner nominellen Lebensspanne von 13 Jahren noch eine Leistung von 13,1 Kilowatt - genug um mehr als 200 handelsübliche 60-Watt-Glühbirnen zum Leuchten zu bringen. Möglich wird diese enorme Leistung durch den Einsatz spezieller Solarzellen, die aus Gallium-Arsenid bestehen und einen deutlich besseren Wirkungsgrad haben als herkömmliche Zellen aus Silizium. Etwa 40 Prozent der Solarzellen des Inmarsat-Generators bestehen aus diesem neuen High-Tech-Material. Bei EADS Astrium in Ottobrunn entstehen derzeit bereits die ersten Solargeneratoren, die vollständig mit Gallium-Arsenid-Zellen bestückt sind. Damit lässt sich das Verhältnis von Leistung zu Gewicht noch weiter verbessern.
Die EADS SPACE Transportation in Lampoldshausen hat den Antrieb für Inmarsat-4 geliefert. Insgesamt 14 Kleintriebwerke mit einem Schub von je 10 Newton sorgen dafür, dass der Satelliten-Koloss exakt auf Position bleibt.
Ingesamt wurden drei der modernen Kommunikationssatelliten für das neue weltweite Breitbandnetzwerk (BGAN) von Inmarsat gebaut. Sie ermöglichen schnellen Netzzugang für beispielsweise UMTS-Telefonie oder für Internetverbindungen von Laptops und Kleinterminals. Die Inmarsat-4-Satelliten ermöglichen moderne Breitbandkommunikation auch in den entlegensten Zonen der Erde. Jeder der in abgelegenen Gebieten unterwegs ist, kann dank Inmarsat sein virtuelles Büro stets mit sich führen. Die Satelliten können sowohl über terrestrische Knotenpunkte als auch direkt vom Nutzer erreicht werden. Dafür gibt es verschiedene mobile Terminals die, je nach Ausführung, Datenübertragungen von bis zu 1 Mbps gestatten. Ein typisches Nutzerterminal sieht aus wie ein Laptop und ermöglicht eine Übertragungsgeschwindigkeit von 432 Kbps. Zusätzlich stellen die neuen Satelliten Kapazitäten für die bestehenden Inmarsat-Dienste beispielsweise für die See- und Luftfahrt, zur Verfügung. Außerdem strahlen Sie ein Navigationssignal für Verkehrsflugzeuge ab.
Der zweite Inmarsat 4 wird nach seinem Start seine Position in der geostationären Umlaufbahn in 36.000 Kilometern Höhe einnehmen. Das heißt, der Satellit steht immer über derselben Position, nämlich über dem nördlichen Brasilien, dort wo Äquator und der 53 Längengrad (westl.) sich schneiden. Von dieser Position aus kann der Satellit Nord- und Südamerika, den Atlantik und Teile des Pazifiks versorgen. Der erste Inmarsat 4 (Start im März 2005) deckt den Bereich Europa, Afrika, Mittlerer Osten, Asien und Indischer Ozean ab. Der dritte Satellit ist "stand-by" eingelagert. Alle drei Satelliten sind identisch und austauschbar. So kann die Abdeckung selbst dann noch den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden, wenn sich die Satelliten bereits im Weltraum befinden.
Ein Satellit dieser Baureihe ist rund sieben Meter hoch und wiegt beim Start etwa sechs Tonnen. Der Antennenreflektor ist etwa neun mal zwölf Meter groß und bildet - entfaltet - eine Fläche von 80 Quadratmetern aus. Die Satelliten basieren auf der Eurostar E3000 Plattform von EADS Astrium. Fünf Satelliten, die auf dieser fortschrittlichen Plattform basieren, sind bereits seit 2004 in Dienst gegangen.
Für Antoine Bouvier, CEO von EADS Astrium, sind die Inmarsat-Satelliten "mit Sicherheit die fortschrittlichsten Kommunikationssatelliten, die je gebaut worden sind." EADS Astrium demonstriere damit seine Fähigkeit, fortschrittliche und flexible Kommunikationsnutzlasten zu bauen. "Wir sind stolz auf diese Leistung und bedanken uns für das Vertrauen, das Inmarsat im Rahmen seines ehrgeizigsten und innovativsten Programms in uns gesetzt hat", so Bouvier weiter.
EADS Astrium ist der führende Satellitenspezialist in Europa. Die Aktivitäten reichen von kompletten Systemen für zivile und militärische Telekommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten über wissenschaftliche Raumfahrtprogramme bis hin zur Satellitennavigation sowie die dazugehörige Avionik und Ausrüstung. EADS Astrium ist eine Tochtergesellschaft der EADS SPACE, einer der weltweit führenden Anbieter von zivilen und verteidigungstechnischen Raumfahrtsystemen. Im Jahr 2004 erreichte EADS SPACE einen Umsatz von 2,6 Milliarden EURO und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien.
Der EADS-Konzern ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2004 lag der Umsatz bei rund 31,8 Milliarden EURO, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 110.000.