Berlin/München, 08
November
2005
Das EADS Forschungszentrum Deutschland hat für seine Entwicklung einer künstlichen Nase als analytischer Sensor zum Aufspüren kleinster Mengen gefährlicher Substanzen am Dienstag in Berlin vom Bundesverband der Deutschen Industrie den Technologiepreis der wehrtechnischen Industrie erhalten. Dieser Preis wurde aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Bundeswehr erstmalig in diesem Jahr ausgelobt.
Die künstliche Nase kann hoch selektiv, hoch sensitiv und extrem schnell zum Beispiel Sprengstoffe, Drogen oder Giftgase aufspüren. Im Unterschied zu anderen bestehenden elektronischen Nasen kombiniert dieses System die Technik eines Ionen-Mobilitätsspektrometers (IMS) mit Laserlicht. „Wir sind stolz auf unser EADS-Forschungsteam und seine Hypersensitive Spürnase. Diese erfolgreiche Entwicklung zeigt in überzeugender Weise die fortschrittlichen Technologien auf, die als Impulse von der wehrtechnischen Industrie in Deutschland ausgehen können. Es freut uns, dass wir dies anlässlich der Auslobung des Preises zum 50-jährigen Bestehen der Bundeswehr unter Beweis stellen konnten“, so Stefan Zoller, Leiter der EADS-Division Defence & Security Systems.
Mögliche Anwendungsbereiche für die Spürnase in der Praxis reichen von Flughafensicherheit oder Luftqualität, über Minensuchgeräte bis hin zu medizinischer Diagnostik. Grundlegende Arbeiten zu dieser Technologie wurden in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt MILAN (Miniaturisiertes Laser-Ionenmobiltätsspektrometer für die Analytik) durchgeführt. Derzeit wird die EADS-Technologie diversen Tests unter der Überschrift „Erkennung von Gefahrstoffen“ als Teil des europäischen Forschungsprojekts SAFEE (Sicherheit von Luftfahrzeugen im künftigen europäischen Luftraum) unterzogen.
Beim Laser-IMS-Verfahren werden zunächst die Gase, die chemische Substanzen wie Sprengstoffe und Drogen stets abgeben, in das Messgerät eingesogen. Dort werden die Gasmoleküle durch Laserstrahlen ionisiert, also in elektrisch geladene Teilchen umgewandelt. Zwei Spiegel reflektieren dabei den Laserstrahl mehrfach hin- und her und verlängern seine Laufstrecke. Durch die höhere Trefferwahrscheinlichkeit werden mehr Moleküle des gesuchten Stoffs erkannt und die Effizienz der künstlichen Nase deutlich erhöht. Anschließend werden die Ionen in einem elektrischen Feld beschleunigt und entsprechend ihrer stoffspezifischen Geschwindigkeit am Ende des elektrischen Feldes gemessen. Das Messergebnis ergibt einen „Fingerabdruck“ der analysierten Substanz. So kann innerhalb von Sekundenbruchteilen ermittelt werden, ob der gesuchte Stoff in der Probe vorhanden ist. Die Herstellung eines Vakuums oder eine aufwändige Probenvorbereitung ist zur Analyse nicht nötig.
„Der große Vorteil an dem Verfahren ist, dass es nicht wie üblich mit Radioaktivität, sondern mit Laserstrahlung arbeitet", erklärt Johann Göbel, Leiter des ausgezeichneten EADS-Forschungsteams. Die neue Technologie ermöglicht außerdem eine Vorauswahl, die irrelevante Substanzen wie etwa Parfüm-Wolken schon vor der eigentlichen Analyse ausschließt. Seit rund drei Jahren forscht Göbel zusammen mit Kollegen an dem Projekt. „Wir freuen uns natürlich über diese Bestätigung unserer bisherigen Arbeit, die uns in der Vergangenheit auch vor einige Herausforderungen gestellt hat", sagt Göbel über die Würdigung durch den BDI. „Als nächsten Schritt werden wir die Benutzerfreundlichkeit steigern", sagt der Ingenieur. „Wir arbeiten an einer integrierten Lösung, mit deren Hilfe der spätere Anwender kein Analyse-Profi sein muss, sondern die Ergebnisse leicht verständlich präsentiert bekommt." Zudem wollen die Forscher das Instrument weiter miniaturisieren, um es für den Einbau in tragbare Handgeräte – ähnlich den Metalldetektoren an Flughäfen – nutzbar zu machen. Göbel rechnet damit, dass die künstliche Nase in drei Jahren Marktreife erlangen kann.
Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Deutschen Bundeswehr lobt der Ausschuss Verteidigungswirtschaft (AVW) im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) erstmalig im Jahr 2005 den „Technologiepreis der wehrtechnischen Industrie“ aus.
Mit der Stiftung des „Technologiepreises der wehrtechnischen Industrie“ soll die wehrwirtschaftliche und/oder die sicherheitspolitische Bedeutung von Innovationen und kreativen technologischen Vorschlägen hervorgehoben werden, die von Studenten, jungen Wissenschaftlern, z.B. wirtschaftsnaher Forschungseinrichtungen, sowie von Mitarbeitern in Unternehmen erarbeitet worden sind. Gewürdigt werden hervorragende Leistungen, die dem Bereich der inneren und/oder der äußeren Sicherheitsvorsorge der Bundesrepublik Deutschland dienen.
Der „Technologiepreis der wehrtechnischen Industrie“ ist mit einem Preisgeld in Höhe von 10000 € dotiert. Die Verleihung des Preises findet am Dienstag, den 8. November 2005, im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin im Rahmen einer festlichen Veranstaltung statt.
Mit einem Umsatz von rund € 5,4 Milliarden im Jahr 2004 und etwa 23.000 Mitarbeitern in zehn Ländern bündelt die EADS Defence & Security Systems Division die wesentlichen Verteidigungs- und Sicherheitsaktivitäten der EADS. Die Division bietet integrierte Systemlösungen für die neuen Herausforderungen der Streitkräfte und Sicherheitskräfte an. Sie ist in den Bereichen Militärflugzeuge, Lenkflugkörper, Aufklärung und Überwachung (ISR) mit bemannten und unbemannten Flugzeugen (UAVs), Gefechtsführungssystemen, Verteidigungselektronik, Sensorik und Avionik, sowie den dazugehörigen Dienstleistungen tätig.
Die EADS ist ein weltweit führendes Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen, mit einem Umsatz von € 31,8 Milliarden im Jahr 2004 und rund 110.000 Mitarbeitern.
Das EADS Forschungszentrum arbeitet für die EADS-Geschäftsbereiche auf zentralen Technolgiefeldern für die verschiedenen Bereiche der Luftfahrt, Raumfahrt und der Verteidigungstechnik. In Zusammenarbeit mit externen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und den Geschäftbereichen der EADS entstehen hier die Grundlagen für innovative Produkte und Prozesse. Im Forschungszentrum sind über 220 festangestellte Mitarbeiter tätig. Zusätzlich arbeiten hier annähernd 100 Doktoranden, Diplomanden und Praktikanten.