Stand: 15  Dezember  2006 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

Startschuss für neuen wieder verwendbaren Raumtransporter

Bremen, 04 April 2001

  • Bund, Länder und Industrie realisieren gemeinsam Entwicklung von PHOENIX
  • Erprobung eines "kleinen" Prototypen bis 2003 abgeschlossen
  • Nationales ASTRA-Programm sichert Technologie Know-how

Mit insgesamt 32 Millionen DM beteiligen sich der Bund, das Land Bremen, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR, Köln), OHB System GmbH (Bremen) und Astrium im Rahmen des nationalen Technologie-Programmes ASTRA an der Entwicklung eines Erprobungsträgers für wieder verwendbare Raumtransportsysteme. "Mit der jetzt beginnenden Entwicklung des PHOENIX ist der erste Schritt zur Realisierung eines europäischen wieder verwendbaren Raumtransporters getan", sagte Josef Kind, Vorstandsmitglied Astrium N.V., Geschäftsbereich Raumfahrt-Infrastruktur, anlässlich des offiziellen Startschusses zur Entwicklung eines neuen Raumtransporters am Mittwoch in Bremen.

PHOENIX ist ein Erprobungsträger, mit dem die technische Machbarkeit eines künftigen wieder verwendbaren Raumtransportsystems nachgewiesen werden soll. Der Einsatz eines solchen "kleinen" Prototypen ist erforderlich, weil aufgrund der Vielzahl physikalischer Einflüsse in der Atmosphäre nicht alle Details der Auslegung des Fluggerätes mit Hilfe von Computersimulationen oder Windkanalversuchen nachgewiesen werden können. Gleichzeitig können die Kosten in der Entwicklungsphase des künftigen Raumtransportsystems reduziert werden.

Astrium investiert in die Entwicklung des Flugmodells Eigenmittel in Höhe von rund 14 Millionen DM, das mittelständische Bremer Unternehmen OHB System knapp eine Million. Das Land Bremen trägt Mittel in Höhe von 10,5 Millionen DM aus dem Technologiefonds bei, die restlichen Mittel übernehmen Bund und DLR gemeinsam. Entwicklung, Bau und Erprobung des PHOENIX sollen bis zum Ende des Jahres 2003 abgeschlossen sein. Der Erprobungsträger wird knapp sieben Meter lang sein, eine Spannweite von 3,8 Metern haben, 1.200 Kilogramm wiegen und ähnlich wie ein Space Shuttle aussehen.

"Projekte, die dazu beitragen, dass Europa im weltweiten Vergleich im Raumtransportbereich auch weiterhin seine Spitzenposition hält, können nicht von einem allein getragen werden. Nur durch das Zusammenspiel von Bund, Ländern und Industrie konnte PHOENIX zum Leben erweckt werden," sagte Kind.

Josef Hattig, Senator für Wirtschaft und Häfen der Freien Hansestadt Bremen, unterstrich, dass "mit der finanziellen Beteiligung in Höhe von 10,5 Millionen DM das Land Bremen die deutsche Systemfähigkeit im Rahmen europäischer Raumfahrtforschung unterstützt. Darüber hinaus hat der Tatbestand, dass über 90 Prozent der gesamten Entwicklungskosten in Form von Aufträgen auf Bremen entfallen, mich in meiner positiven Förderungsentscheidung maßgeblich bestärkt. Neben dem in Bremen ansässigen Astrium Geschäftsbereich Raumfahrt-Infrastruktur, der federführend die Entwicklung des PHOENIX verantwortet, sind auch das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen und OHB beteiligt."

PHOENIX ist ein wesentlicher Teil des nationalen Programms ASTRA (Ausgewählte Systeme und Technologien für zukünftige Raumtransport Anwendungen). Neben Astrium und dem DLR sind an ASTRA beteiligt die Unternehmen MAN-Technologie, OHB-System und Kayser-Threde, das ZARM sowie drei DFG-Sonderforschungsbereiche der Technischen Universitäten Aachen, München und Stuttgart.

Prof. Dr. Walter Kröll, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt: "Im ASTRA Programm wird deutsche System- und Fachkompetenz in Industrie, Hochschulen und DLR - Instituten gefördert, um zukunftsweisende Konzepte und Spitzentechnologien für ein neues Raumtransportsystem zu entwickeln, mit dem sich Deutschland und Europa dem harten internationalen Wettbewerb stellen können. Die Technologieentwicklungen liegen auf dem Gebiet der Strukturen, Bauweisen und Materialien, der Antriebe sowie der Flugführung und -steuerung".

Der dauerhafte autonome Zugang Europas zum Weltraum sei nur durch drastische Reduzierung der Transportkosten verbunden mit verbesserter Flexibilität im Betrieb, mit höherer Zuverlässigkeit des Systems und besserer Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. Die bereits laufende Weiterentwicklung der europäischen Trägerrakete Ariane 5 zur Nutzlaststeigerung von sechs auf zwölf Tonnen senke die Transportkosten deutlich. Längerfristig, etwa ab 2015 werde eine hohe Wirtschaftlichkeit jedoch nur mit wieder verwendbaren Raumtransportsystemen zu erreichen sein, so Kröll weiter.

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