Neue kryogene Ariane 5-Oberstufe fliegt mit "Beluga"Bremen, 28 Februar 2001
Mit ungewöhnlicher Fracht ist die "Beluga", das Transportflugzeug von Airbus Industries, am Mittwoch vom Bremer Flughafen in Richtung München gestartet. An Bord das vom Astrium-Geschäftsbereich Raumfahrt-Infrastruktur entwickelte Strukturtestmodell der neuen Ariane 5-Oberstufe ESC-A. "Mit der Auslieferung dieses ersten Strukturtestmodells ist ein weiterer Meilenstein im Entwicklungsprogramm 'Ariane 5-plus' erreicht," sagte Dr. Jens Lassmann, Projektleiter ESC-A im Geschäftsbereich Raumfahrt-Infrastruktur. Die Oberstufe wird nach Landung auf dem Münchner Franz-Josef Strauss-Flughafen per Lkw zur IABG mbH (Industrieanlagen- Betriebsgesellschaft) gebracht, um dort bis Januar 2002 in zahlreichen mechanischen Tests qualifiziert zu werden. Die IABG ist eines der führenden europäischen Testzentren für Luft- und Raumfahrt. Im Rahmen des "Ariane 5-plus"-Programmes zur Leistungssteigerung der europäischen Trägerrakete Ariane 5 entwickelt Astrium bis Mitte 2002 die neue Oberstufe ESC-A (Etage Superieur Cryotechnique A). Diese Stufe basiert auf kryogener Antriebstechnik, arbeitet also mit tiefkalten, hochenergetischen Treibstoffen (Flüssigwasserstoff/Sauerstoff). Damit wird die Nutzlastkapazität der Ariane 5 von derzeit sechs auf bis zu zehn Tonnen erhöht. Bevor jedoch die eigentliche Flughardware gebaut wird, werden zwei Testmodelle, die von der Mechanik und der Funktionalität genau so reagieren wie die spätere Flugeinheit, gefertigt. Sämtliche mechanischen Tests werden anhand des heute ausgelieferten Strukturtestmodells durchgeführt. In Ottobrunn bei München führt die IABG im Auftrag von Astrium z.B. Vibrations-, Schall- und Separationstests durch. Dabei wird die Oberstufe Belastungen ausgesetzt, die die Realität um ein mehrfaches übersteigen. In einer weiteren Testphase Ende dieses Jahres wird mit Hilfe des zweiten Testmodells das Zusammenspiel Bodenanlagen-Stufe am europäischen Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) qualifiziert. Durch den Einsatz bewährter Komponenten wird die Entwicklung für die neue Oberstufe ESC-A nur 3,5 Jahre dauern. Dabei wird in die Ariane-5-Oberstufe das Antriebssystem der dritten Stufe der Ariane 4 einschließlich des kryogenen Triebwerks vom Typ HM-7 integriert. Außerdem wird der darin enthaltene Sauerstofftank und die Schubstruktur weiter verwendet und durch einen neuen Wasserstofftank sowie die Übergangsstruktur zur Ariane 5 Unterstufe ergänzt. Gegenüber der bisherigen Oberstufe aus Bremen (EPS) wird eine Leistungssteigerung von 30 auf 65 kN erreicht (das entspricht 180.000 PS). Der Entwicklungsauftrag hat ein Volumen von rund 160 Millionen Euro und bindet etwa 100 Arbeitsplätze am Astrium-Standort Bremen. Nur durch eine konsequente Weiterentwicklung der Ariane 5 sei es möglich, am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben und den Anteil von rund 60 Prozent des kommerziellen Satellitentransportes mit Ariane zu halten, so das Unternehmen. Ihre Ansprechpartnerin:
Kirsten Leung |
|
||||||||||