Auszeichnung für Dornier-Forscher mit WissenschaftspreisFriedrichshafen/Berlin, 15 November 2000
Wenn sich demnächst die Flügel von Flugzeugen selbständig in ihrer Form der Geschwindigkeit und der Flughöhe, ähnlich wie bei einem Vogel anpassen, dann geschieht dies, weil mechanische Strukturen mit einer inneren "Intelligenz" versehen wurden. Dieses neue Zukunftsgebiet, mit dem sich die Technik befasst, nennt sich Adaptronik. Das Dornier-Forschungsteam, das beim Ressort Forschung und Technologie der DaimlerChrysler AG angesiedelt ist, hat für seine richtungsweisenden Arbeiten auf diesem Gebiet den Wissenschaftspreis 2000 des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft in Berlin erhalten. Dies teilte die Dornier GmbH am Mittwoch in Friedrichshafen mit. Die Arbeiten des Dornier-Teams um den Adaptronik-Forscher Johannes Dürr sind eingebettet in ein großes nationales, von der Bundesregierung gefördertes Forschungsprojekt mit dem Titel: Adaptive Verbundstrukturen für den Leichtbau. Hieran arbeiten Adaptronik-Forscher aus mehreren deutschen Firmen sowie aus Universitäten, der Fraunhofer-Gesellschaft und des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt eng zusammen. Man will diese Technologie möglichst schnell vom Labor in den Produktstatus bringen. Der konkrete Dornier-Beitrag zu diesem Projekt sind neuartige Leichtbaustrukturen aus faserverstärkten Kunststoffen, die in der Lage sind, situationsabhängig ihre Geometrie mit der Genauigkeit von etwa einem Tausendstel Millimeter zu verändern oder auftretende Schwingungen blitzschnell zu dämpfen. Um diese Effekte zu bewirken, wurden Piezokeramiken als künstliche Muskeln in Carbon-Faser-verstärkte Kunststoffe eingesetzt. Abhängig von der elektrischen Spannung, mit der die Piezokeramiken versorgt werden, ergeben sich hochpräzise statische oder dynamische Zustände. Trotz der Neuartigkeit des Themas haben die Dornier-Forscher schon konkrete Anwendungen bei Satellitenantennen im Auge. Sie werden im Weltraum für optische Instrumente oder für die Kommunikation benötigt, wobei in beiden Fällen eine hohe geometrische Präzision erforderlich ist. Antennen-Reflektoren von Satelliten sind auf ihrer Umlaufbahn starken Temperaturschwankungen ausgesetzt, da sie zeitweise von der Sonne angestrahlt und erwärmt, anschließend im Erdschatten aber wieder abgekühlt werden. Diese Temperaturschwankungen erzeugen in den Reflektoren geringe, jedoch für Hochpräzisionsinstrumente unerwünschte Verformungen, die in Zukunft mit Hilfe der Adaptronik verhindert werden sollen. Ein erster Antennenreflektor mit "künstlichen Muskeln aus Piezokeramik", wurde im Labor schon erfolgreich getestet.
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