Stand: 05 Mai 2009 Weiterempfehlen DruckenDrucken

Farman F.60 "Goliath"

© EADS

Der große zweimotorige Doppeldecker Farman 60 Goliath ging ursprünglich aus einem Militärflugzeug, einem schweren Bomber hervor, der über eine sehr große Reichweite bis zu 1000 km und eine Abwurflast von maximal 2 Tonnen verfügte. Sein Erstflug fand im Oktober 1918 statt, aber die Produktion wurde nach dem Waffenstillstand im November unterbrochen. Die Brüder Maurice und Henry Farman entschieden sich, den Bomber für den zivilen Einsatz umzubauen, mit sichtlichem Erfolg. Die Fertigung von Militärflugzeugen wurde wieder ab 1921 aufgenommen und erst im Jahr 1929 eingestellt.

Die „Goliath“ war demnach hauptsächlich ein ziviles Passagierflugzeug und außerdem Frankreichs erster Airliner überhaupt.

Das offene Cockpit kommunizierte direkt mit der Kabine, die für 12 Passagierplätze ausgelegt war. Der Panorama-Fluggastraum mit großen Schiebefenster war mit Ratansesseln bestuhlt. Die Innenausstattung war sehr spartanisch: die Kabine bestand aus dünnen Spanplatten. Sie war nicht geheizt und schlecht abgedichtet, sodass die Passagiere starker Zugluft ausgesetzt waren. Die großen Ober- und Unterflügel, die geringe Reisegeschwindigkeit (maximal 150 km/h) und die geringe Flügelbelastung erhöhte die Anfälligkeit des Flugzeugs gegenüber Turbulenzen. Der erste Linienflug zwischen Paris und London fand am 8. Februar 1919 statt. Später kamen die Flugzeuge dieses Flugzeugtyps bei fast allen französischen Luftverkehrsgesellschaften zum Einsatz. Sie wurden in Belgien und sogar in der Tschechoslowakei von den Flugzeugfirmen Avia und Letov in großer Anzahl in Lizenz gebaut.

Die Maschinen galten als sehr zuverlässig, hauptsächlich wegen ihrer riesigen Tragfläche (161 m2 auf eine Gesamtmasse von nur 4770 kg), die sie in die Lage versetzte, trotz ihrer gigantischen Größe mit einer erstaunlich geringen Geschwindigkeit zu fliegen. Sie starteten und landeten auf kurzen Strecken. Ihre Flugstabilität war aufgrund der zu geringen Fläche des Ruderwerks (damals ein gängiger Konstruktionsfehler) eher mittelmäßig. Dennoch war die Goliath, oder Golly in Englisch, äußerst beliebt. In Frankreich, Belgien, Rumänien und in der Tschechoslowakei war sie der Inbegriff von Luxus und Modernität.

Sie schlug mehrere Weltrekorde hinsichtlich Flugdauer und Flughöhe und schaffte am 3. und 4. Mai 1920 einen Langstreckenrekord von 1915,200 km Nonstop (mehr als 24 Flugstunden). Am 14. und 15. Oktober 1922 gelang ihr ein Dauerflugrekord von 34 Stunden 14 M, 15 S. Eine einmotorige Version schaffte im Juli 1924 einen Dauerflugrekord von über 37 Stunden. Im Juli 1927 wurde eine Goliath F-ADFN für die Überquerung des Süd-Atlantik eingesetzt, aber der Versuch scheiterte tragisch. Die Überreste des Flugzeugs wurden im Meer gesichtet, nach allem Anschein nach war das Flugzeug an der brasilianischen Küste gestrandet, die Besatzung galt als vermisst.

Die Goliath diente ab 1921 wieder als Nachtbomber mit einer zwei- und später vierköpfigen Besatzung und in der Marine als drei- oder viersitziger Torpedoträger. Ihre Karriere endet leider weniger ruhmreich. Nach mehreren Unfällen, wurde die Fluggenehmigung entzogen und die letzten im Jahr 1929 gebauten Exemplare wurden nach der Auslieferung verschrottet.

Im Musée de l'Air et de l'Espace du Bourget ist nur noch der restaurierte Originalrumpf der zivilen Version mit vierrädrigem Fahrwerk ausgestellt.

Versionen

Es gab viele verschiedene Versionen der Goliath, Landflugzeuge oder Flugboote. Dabei kamen unterschiedliche Triebwerke zum Einsatz: Salmson, Renault, Lorraine, Gnome & Rhône, Armstrong-Siddeley, Farman (260 bis 500 PS).

  • Farman 60: Basisversion für Passagierflugzeuge oder Militärflugzeuge, ausgerüstet mit   Salmson-Motoren und später Renault-Motoren. Eine Variante als Torpedoträger, mit Doppelschwimmern versehen.
  • Farman 60bis: Zivilflugzeug, Salmson-Motoren
  • Farman 61: Zivilflugzeug, Renault-Motoren
  • Farman 62: einzige einmotorige Version, Lorraine-Motor
  • Farman 63 und 63 bis: zivile und militärische Version, Gnome & Rhône Jupiter –Motoren oder wahlweise Armstrong-Siddeley Jaguar -Motoren.
  • Farman 64: Bomber, Salmson-Motoren
  • Farman 65 und 65 bis: Torpedoträger, Jupiter-Motoren
  • Farman 68: Bomber, Jupiter-Motoren
  • Farman 150: Variante mit einer geringeren Spannweite, Torpedoträger
  • Farman 150 bis: ein Unikat. F.150 mit erhöhter Leistung.
  • Farman 140: viermotorige Super Goliath (Motoren in Tandemgondeln)
  • Farman 141: modernisierte Super Goliath: über den Bug ragende Rumpfnase
  • Farman 160: Prototyp mit verstärktem Rumpf und einem Bombenschützenstand, der über dem Bug über die Flügelvorderkante ragte.
  • Farman 161: Serienversion des Vorgänger-Modells mit Jupiter-Motoren (zivile Version) oder Farman –Motoren (Militärflugzeug).
  • Farman 162 und 163: zivile Versionen der Version 161.
  • Farman 169 oder 269: Passagierflugzeug, zweirädriges Fahrwerk (anstatt vier Räder).
  • Farman 165: Torpedoträger, Jupiter-Motoren
  • Farman 166: für Ausbildungszwecke, Salmson-Motoren und später Jupiter-Motoren
  • Farman 167: Torpedoträger mit klappbaren Flügel
  • Farman 168: Torpedoträger mit Schwimmer
  • Farman 169: letztes gebautes Exemplar, modernisiertes Zivilflugzeug.
  • Farman 269: Umrüstung des Vorgängermodells in einen Anderthalbdecker
  • Farman 271: Prototyp eines Anderthalbdeckers mit reduzierter Tragfläche und einrädrigem Fahrwerk.

Technische Daten

Farman F-60 Goliath

Motoren: Zwei Salmson 9 mit 260 PS-Leistung
Baujahr: 1918-1929
Gesamtzahl der gebauten Modelle: Über 770, alle Versionen mit eingeschlossen
Spannweite: 26,50 m
Länge: 14,33 m
Höhe: 4,92 m
Tragflügelfläche: 161 m2
Leermasse: 2.500 kg
Max. Startmasse: 4.770 kg
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Reisegeschwindigkeit: 120 km/h
Reichweite: Je nach Version 450 bis 1.500 km
Dienstgipfelhöhe: Je nach Version 2.000 bis 5.000 m

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